Die Stadt Wien und die ÖBB-Infrastruktur AG starten im Herbst 2026 den städtebaulichen und freiraumplanerischen Wettbewerb für das Projektgebiet „Mitte 15". Das rund sechs Hektar große Areal liegt auf ÖBB-Flächen zwischen der Felberstraße und den Gleisanlagen im 15. Bezirk. Der Wettbewerb markiert den nächsten formalen Schritt im Rahmen des Stadtteilentwicklungskonzepts (SEK) Mitte 15. Die Umsetzung ist ab circa 2032 vorgesehen.
Zweistufiges, anonymes Verfahren mit internationaler Jury
Das Verfahren läuft zweistufig und anonym ab. Eine international besetzte Jury bewertet die Einreichungen von Planungsteams aus ganz Europa und wählt jene Lösung aus, die die Ziele des SEK Mitte 15 am besten erfüllt. Planungsstadträtin Ulli Sima erläutert die Zielsetzung: „Wir werden auf der Fläche der ÖBB eine Betonwüste in einen attraktiven Wohlfühlraum für alle verwandeln [...] Jetzt machen wir den nächsten step und starten mit dem Planungswettbewerb einen Wettbewerb um die besten Ideen. Unser Ziel ist ganz klar aus diesem zentralen Ort das Maximum an Potential herauszuholen und unter Einbindung der Wünsche der Bevölkerung umzusetzen“
„Gemeinsam mit der Stadt Wien entwickeln wir das Umfeld des Westbahnhofs Schritt für Schritt zu einem zukunftsorientierten Stadtquartier. Dabei schaffen wir neue Qualitäten für die Menschen im Grätzl und verbinden hochwertige Grün- und Freiräume mit vielfältigen Nutzungen. Der Wettbewerb bildet die Grundlage, um das Potenzial dieses Standorts bestmöglich zu nutzen und einen nachhaltigen Mehrwert für den gesamten Stadtteil zu schaffen“—Silvia Angelo, Vorständin der ÖBB-Infrastruktur AG,
Nutzungsmix: Fünf Hektar Grünraum, AHS und geförderter Wohnraum
Herzstück des Areals bildet ein rund fünf Hektar großer, öffentlich zugänglicher Grün- und Freiraum — das entspricht nach Angaben der Projektverantwortlichen der Fläche von rund sieben Fußballfeldern. Die verbleibende bebaute Fläche umfasst rund ein Hektar. Teile der Nutzungen werden unterirdisch angeordnet, um oberirdisch zusammenhängenden Freiraum zu sichern. Der Nutzungsmix sieht vor:
Die ÖBB beauftragten das Büro Weatherpark mit einer lokalen stadt- und mikroklimatischen Untersuchung des Projektgebiets. Die Studie stellt fest, dass die Kaltluftleitbahn aus dem Wiental das Projektgebiet nur in sehr geringem Ausmaß erreicht. Als Ursachen nennt die Untersuchung eine Engstelle der Bahntrasse im Bereich der Abzweigung der Vorortelinie sowie das Technische Museum und das angrenzende Hotel, die den Kaltluftfluss bereits vor dem Projektgebiet unterbrechen. Aus den Ergebnissen wurden Empfehlungen für eine klimaangepasste Planung abgeleitet, darunter großzügige Grün- und Freiflächen, zahlreiche Bäume und weitere klimawirksame Begrünung.
Bezirksvorsteher Dietmar Baurecht (Rudolfsheim-Fünfhaus) ordnet die Studienergebnisse in den bezirklichen Kontext ein: „Die gewonnenen Erkenntnisse aus der Studie geben den Anwohnenden die Gewissheit, dass der eingeschlagene Weg zu mehr Grün- und Freiflächen am Westbahnhofareal zu einer spürbaren Steigerung der Lebensqualität führen wird. Zugleich zeigen die Ergebnisse, welche Rolle der Auer-Welsbach-Park als Kaltluftfaktor spielt. Diese Tatsache bestätigt die Investitionen des Bezirks und der Stadt Wien in eine automatische Bewässerung des Parks, um den Kaltluftabfluss in die angrenzenden Seitengassen unterhalb der Westbahn weiterhin zu stützen. Durch die klimafitte Umgestaltung der Äußeren Mariahilfer Straße wird bereits zusätzliches Grün geschaffen. All diese Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit den zuständigen Fachdienststellen“
Biodiversitätserhebung: Wildbienen als Leittier
Parallel zur Mikroklimastudie liegt eine Artenerhebung vor, die bestehende Lebensräume und geschützte Arten im Projektgebiet dokumentiert. Als Leittier für die naturschutzfachliche Entwicklung von Mitte 15 fungieren Wildbienen. Im Rahmen der Voruntersuchungen wurden zwei Brutstätten dieser Bienen entdeckt, die behutsam in das neue Quartier integriert werden sollen. Ebenfalls erfasst wurde die Traubenhyazinthe als geschützte Pflanzenart. Mikroklimastudie, Artenerhebung und das SEK Mitte 15 bilden gemeinsam den verbindlichen Rahmen für die teilnehmenden Planungsteams.
Bürgerbeteiligung fließt direkt in die Wettbewerbsunterlagen ein
Dem Wettbewerb vorgelagert war ein mehrstufiger Beteiligungsprozess. Im Sommer 2026 fanden 23 Stakeholder-Gespräche — die sogenannten Mitte-15-Dialoge — mit Organisationen, Initiativen und engagierten Personen aus dem Bezirk statt. Die dabei gesammelten Anliegen und Ideen wurden in sogenannten Grätzl-Perspektiven weiterentwickelt. Die Ergebnisse dieser Beteiligung sowie die Rückmeldungen der öffentlichen Auftaktveranstaltung vom 15. September 2026 werden den Planungsteams als Beilage der Wettbewerbsunterlagen übergeben.