Die Berliner City-Tax entwickelt sich zunehmend zu einer Belastung für die Tourismuswirtschaft. Berlin erzielt Rekordeinnahmen, während insbesondere die Hotellerie mit einer ungewöhnlich hohen Zahl von Insolvenzen konfrontiert ist. Etatkürzungen im Kulturbetrieb, strukturelle Verkehrsdefizite und ausgeweitete Steuervorgaben verschärfen die Lage.
Steigende Steuereinnahmen, sinkende Besucherzahlen
Mit der City-Tax erhebt Berlin eine Übernachtungssteuer für Privat- und Geschäftsreisende, die seit dem 1. Januar 2025 7,5 statt zuvor 5 Prozent beträgt. Gleichzeitig wurde der Besteuerungszeitraum von 21 Tagen auf sechs Monate verlängert. Seit Anfang 2026 gilt die Steuer zudem auch für Betriebe mit weniger als zehn Betten. Die Einnahmen des Landes Berlin aus der City-Tax erreichten infolgedessen einen neuen Höchststand. Nach 58,7 Millionen Euro im Jahr 2023 und 89,6 Millionen Euro im Jahr 2024 nahm Berlin zuletzt 150,35 Millionen Euro für den Landeshaushalt ein.
Die steigenden Einnahmen stehen einer zunehmend angespannten wirtschaftlichen Lage gegenüber. Berlin verzeichnete 2025 rund 12,4 Millionen Besucher und 29,4 Millionen Übernachtungen. Damit bleibt die Hauptstadt deutlich unter dem Niveau vor der Pandemie mit fast 14 Millionen Gästen und mehr als 34 Millionen Übernachtungen. Besonders schwach entwickelte sich das internationale Geschäft: Die Zahl ausländischer Gäste ging um 4,3 Prozent zurück, die Zahl ihrer Übernachtungen sogar um 6,3 Prozent.
Senat schwächt die touristische Infrastruktur
Gleichzeitig wurden die Mittel für das Kulturangebot der Stadt deutlich reduziert. Für 2025 kürzte das Land den Kulturetat um rund 130 Millionen Euro. Betroffen sind unter anderem Opern- und Konzerthäuser, Orchester, Chöre und das Staatsballett. Damit schwächt der Senat Angebote, die wesentlich zur touristischen Attraktivität Berlins beitragen.
Hinzu kommen strukturelle Schwächen des Nahverkehrs und hohe Standortkosten am Flughafen BER. Fluggesellschaften reduzieren ihr Angebot wegen hoher Gebühren, wodurch die Anreise nach Berlin teurer und komplizierter wird. Auf wichtigen Strecken werden Reisende mit Preissteigerungen von bis zu 35 Prozent konfrontiert.
„Die Einnahmen der City-Tax müssen transparent reinvestiert werden – in Kultur, ÖPNV und Stadtpflege. Das schafft einen Mehrwert, der den Berlinern genauso zugutekommt wie den Gästen unserer Stadt.“—Stephan la Barré - stellvertretender Vorstandsvorsitzender der ApartmentAllianz Berlin
Berliner Tourismuswirtschaft in der Abwärtsspirale
Steigende Betriebs- und Personalkosten sowie die Ausweitung der City-Tax verteuern Übernachtungen und gastronomische Angebote in Berlin. In Verbindung mit rückläufigen Gästezahlen erhöht dies insbesondere den wirtschaftlichen Druck auf kleinere und mittelständische Anbieter, die wesentlich zur Vielfalt des touristischen Angebots beitragen.
Der Insolvenztrend verdeutlicht die angespannte Lage. Im April 2026 lag die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland 82 Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer Monate der Jahre 2016 bis 2019. Besonders hohe Werte wurden in den Bereichen Hotel und Gastronomie festgestellt. In Berlin fiel vor allem die ungewöhnlich hohe Zahl an Hotelinsolvenzen auf.
Stephan la Barré dazu: „Weniger Angebot und schlechtere Qualität gefährden den Wirtschaftsstandort Berlin. Aus der Abwärtsspirale hilft nur ein klarer Kurswechsel: Energie aus inneren Kämpfen nehmen, sich auf die entscheidenden Themen konzentrieren und erfolgreiche Praxisbeispiele politisch unterstützen. Indem wir gezielt in Qualität und ein starkes Angebot investieren, schaffen wir direkt sichtbare Verbesserungen und starten einen Aufwärtstrend, von dem ganz Berlin profitiert."