Wiener Altbau in der Krise

Unsanierte Wohnungen in den Innenbezirken werden zu Ladenhütern
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Wiener Altbau in der Krise
© Sanierungsgipfel

Der Wiener Altbaubestand steht vor einer strukturellen Zäsur. Während sanierte Altbauwohnungen und Neubauten wieder steigende Preise erzielen, geraten unsanierte Objekte zunehmend unter Druck. Das zeigt der aktuelle Halbjahresbericht zum Wiener Wohnungsmarkt von Immo Analytics. Die Verkäufe im unsanierten Segment sind demnach nahezu zum Stillstand gekommen. Für Eigentümer, die im Wiener Altbaubestand erfolgreich verkaufen wollen, formuliert der Bericht eine klare Konsequenz: Sanierung ist keine Option mehr, sondern Voraussetzung.

Unsanierte Altbauten verlieren Marktgängigkeit

Die realen Bruttoverkaufspreise für Altbauwohnungen entwickelten sich im ersten Halbjahr uneinheitlich. In den äußeren Bezirken legten sie deutlich zu, in den inneren Bezirken nur leicht. Als Haupttreiber dieser Entwicklung identifiziert Immo Analytics jedoch nicht eine gestiegene Zahlungsbereitschaft der Käufer, sondern den deutlichen Rückgang der Preisverhandlungen. Im Segment sanierter Altbauten lassen sich mittlerweile praktisch keine Preisabschläge mehr beobachten.

„Käufer akzeptieren marktgerechte Preise – allerdings nur, wenn die Qualität stimmt. Unsanierte Altbauwohnungen bleiben hingegen zunehmend liegen. Der Markt sendet damit ein eindeutiges Signal: Der Altbaubestand braucht dringend Sanierungen.“
—Gregor Pfeiffer, Geschäftsführer von Immo Analytics

Finanzierung bremst notwendige Sanierungen

Umfassende Modernisierungen scheitern laut Halbjahresbericht häufig an der Finanzierung. Dadurch vertieft sich das Marktgefälle zwischen sanierten und unsanierten Bestandsobjekten weiter. Modernisierte Wohnungen treffen auf stabile Nachfrage; sanierungsbedürftige Altbauten werden für viele Eigentümer zur wachsenden Herausforderung.

Neubausegment stabilisiert sich

Auch im Neubausegment zeichnet sich eine Stabilisierung ab. Bei älteren Neubauten entwickelten sich die angebotsbereinigten Verkaufspreise weitgehend seitwärts. Junge Neubauten beziehungsweise Erstbezugswohnungen verzeichneten hingegen bereits wieder steigende reale Bruttoverkaufspreise. Verantwortlich dafür ist laut Immo Analytics vor allem das Auslaufen jener Rabatte, die in den vergangenen Jahren vielfach gewährt wurden.

Qualität als entscheidender Erfolgsfaktor

Der Halbjahresbericht von Immo Analytics zeichnet damit ein differenziertes Bild des Wiener Wohnungsmarkts: Sanierte Bestandswohnungen und moderne Neubauten profitieren von steigender Zahlungsbereitschaft, während unsanierte Altbauten weiter an Marktgängigkeit verlieren. Der Wiener Wohnungsmarkt differenziert stärker nach Qualität — und dieser Trend dürfte sich verfestigen. Für Eigentümer unsanierter Objekte stellt sich damit weniger die Frage ob, sondern wann und wie eine Sanierung finanzierbar wird.