In Wien stehen rund 2.127 Hektar gewidmete Betriebsflächen zur Verfügung, das entspricht rund 5 Prozent der Stadtfläche. Gleichzeitig sind nur noch 6 Prozent der Betriebszonen unbebaut, während rund zwei Drittel des Bestands hohen Erneuerungsbedarf aufweisen.
„Wer heute einen bestehenden Standort modernisieren oder erweitern will, stößt oft auf Regeln, Verfahren und Kostenstrukturen, die eher auf Neubau als auf Umbau ausgerichtet sind. Dabei brauchen wir gerade im Bestand mehr Flexibilität, schnellere Verfahren und rechtliche Klarheit, damit Betriebe in Wien investieren können.“—Stefan Ehrlich-Adám, Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Wien.
Gerade darin liegt aus Sicht der Wiener Industrie die zentrale Herausforderung: Viele Bestandsimmobilien sind für heutige Produktionsabläufe, technische Anforderungen, Energiefragen oder Logistik nur schwer und teuer adaptierbar. Dazu kommen hohe Grund-, Bau- und Finanzierungskosten sowie langwierige und zersplitterte Genehmigungsverfahren, die Investitionen zusätzlich erschweren.
Eine einzige Ansprechstelle
Die Sparte Industrie fordert daher einen One-Stop-Shop für produktive Vorhaben, der Betriebsanlagen-, Bau- und Umweltverfahren bündelt, sowie eine Fast-Track-Schiene für industrielle Neubau- und Umbauprojekte. Planungs- und Investitionssicherheit steigen nur dann, wenn Zuständigkeiten klar, Abläufe transparent und Verfahren deutlich schneller werden.
„Mehrgeschoßige und vertikale Produktionslösungen sind in einer wachsenden Stadt sicher ein Teil der Antwort. Aber man darf nicht so tun, als wäre das einfach. Solche Projekte sind komplex, teuer und nur dann realistisch, wenn Widmung, Infrastruktur, Betriebsanlagenrecht und Bauvorgaben wirklich zusammenspielen.“—Stefan Ehrlich-Adám
Moderne Betriebsflächen für modern Betriebe
Neben der Sicherung gewidmeter Betriebsflächen braucht es daher vor allem bessere Bedingungen für den Bestand: praxistaugliche Umbauvorgaben, klare Regeln für Adaptierungen und einen Rechtsrahmen, der Bestandserneuerung nicht wie Neubau behandelt. Denn leistbare Flächen entstehen in Wien künftig vor allem durch Nachverdichtung und die Modernisierung bestehender Standorte.
Der produktive Sektor sichert in Wien rund 112.000 Arbeitsplätze und steht für etwa 12 Prozent aller unselbstständig Beschäftigten. „Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass die Wiener Industrie kaum etwas mit dem veralteten Bild rauchender Fabrikschlote zu tun hat“, unterstreicht Ehrlich-Adám. „Bei unseren Betrieben handelt es sich größtenteils um hochmoderne und vor allem saubere Betriebe, die zum Beispiel in den Bereichen Pharmazeutik, Nahrungsmittel oder Elektronik arbeiten. Daher ist auch eine Durchmischung von Wohngebieten und Gebieten mit produktiven Unternehmen anzustreben. Denn schlussendlich geht es darum, dass Menschen, die in Wien leben, auch in Wien arbeiten wollen.“