Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild: Begünstigt durch eine anhaltend starke Nachfrage und eine stabile Angebotsentwicklung, nimmt der Wettbewerbsdruck am Wiener Hotelmarkt spürbar zu. Verstärkt wird diese Entwicklung durch externe wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheiten. In diesem Umfeld präsentiert sich die Wiener Privathotellerie dennoch so selbstbewusst wie selten zuvor.
Trotz einer gut gefüllten Pipeline und der zunehmenden Präsenz internationaler Markenhotels, behaupten sich privat geführte Häuser erfolgreich. Zwar stellen sie rund 65 % der Betriebe, doch Markenhotels dominieren mit etwa 64 % der Zimmerkapazitäten. Dieser strukturelle Unterschied spiegelt sich unter anderem in der operativen Performance wider: Unabhängigen Betrieben gelingt es, bei vergleichbarer Auslastung ein deutlich höheres Preisniveau durchzusetzen. Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche Zimmerrate privat geführter Hotels rund 32 % über jener von markengeführten Häusern. Markenhotels setzen hingegen verstärkt auf Volumen, internationale Reichweite und effiziente Betriebsstrukturen. Beide Modelle behaupten sich am Markt – folgen jedoch klar unterschiedlichen strategischen Ansätzen.
Die Befragung zeigt zudem ein hohes Maß an Zuversicht und strategischer Klarheit unter den Privathoteliers, das sich im Vergleich zu den Studien aus den Jahren 2013 und 2017 deutlich positiv entwickelte. Trotz steigender Kosten, Personalknappheit, fortschreitender Digitalisierung und geopolitischer Unsicherheiten sehen sich viele private Betriebe gut positioniert – nicht zuletzt aufgrund kontinuierlicher Investitionen in Qualität, Profil und Substanz. Dass sich Privathotels in touristisch nachgefragten und zentralen Lagen hierbei leichter tun als Hotels abseits der Touristen-Hotspots, muss ebenfalls erwähnt sein.
„Die Wiener Privathotellerie ist heute professioneller, klarer positioniert und wirtschaftlich stärker als noch vor zehn Jahren. Gleichzeitig zwingt der zunehmende Wettbewerbsdruck die Betriebe dazu, kontinuierlich zu investieren und ihr Profil weiter zu schärfen.“—Elena Berwanger, Consultant Investment & Letting bei Christie & Co.
Die Selbsteinschätzung der Privathoteliers in Wien zeigt eine deutlich positive Entwicklung der wahrgenommenen Wettbewerbsfähigkeit über den betrachteten Zeitraum. Insgesamt ist eine klare Verschiebung hin zu besseren Bewertungen erkennbar. Während bei der Befragung 2013 nur knapp über 10% der Teilnehmer die Wettbewerbsfähigkeit ihres Hotels mit „sehr gut“ bewerteten, waren es 2017 bereits über 30% und 2026 sogar ca. 65%.
Diese Entwicklung deutet auf ein wachsendes Selbstvertrauen der Privathoteliers hin. Sie lässt darauf schließen, dass zahlreiche Betriebe ihre Marktposition durch Investitionen, qualitative Weiterentwicklungen und eine stärkere Profilierung erfolgreich verbessern konnten. Insgesamt spiegelt die Abbildung eine stabile Wettbewerbsfähigkeit der privaten Hotelbetriebe im Wiener Markt wider, auch vor dem Hintergrund eines sich kontinuierlich verschärfenden Wettbewerbsumfeldes.
Wie bereits in früheren Befragungen wird auch derzeit im gehobenen Mittelklassesegment (3- bis 4-Sterne) die größte Konkurrenzintensität erwartet, während man im Budget Segment (1- bis 2-Sterne) mit geringeren Wettbewerbsverschärfungen rechnet.