Ab Mitte 2025 sollte Österreich die längste Rezession der Zweiten Republik hinter sich haben, wobei die Erholung stark von den internationalen Rahmenbedingungen abhängt, so Marcus Scheiblecker, einer der Autoren der aktuellen WIFO-Prognose.
Im vergangenen Jahr erlitt Österreich einen weiteren Rückschlag: Das BIP schrumpfte nach einem Rückgang von 1% im Jahr 2023 erneut um 1,2%. Besonders im 2. Halbjahr beschleunigte sich der Abwärtstrend. Die ungünstigen Bedingungen belasten weiterhin die heimische Industrie. Auch 2025 wird die Belastbarkeit vieler Industriezweige stark auf die Probe gestellt. Ab der Jahresmitte wird jedoch erwartet, dass die EU-Konjunktur anzieht und die Exportnachfrage wieder etwas zunimmt. Damit sollte auch Österreich die Rezession überwinden und in ein moderates Wachstum übergehen.
Die erwartete Konjunkturerholung im 2. Halbjahr wird allerdings nicht ausreichen, um 2025 ein positives BIP-Wachstum zu erzielen. Das WIFO rechnet mit einem weiteren Rückgang von 0,3%. Erst 2026, wenn die geplanten fiskalischen Stimuli in Deutschland und der EU greifen, wird die österreichische Wirtschaft wieder wachsen (+1,2%), jedoch langsamer als die deutsche (+1,5%).
Die Bauwirtschaft wird voraussichtlich bereits im ersten Halbjahr 2025 die Talsohle durchschreiten. Die im Jahr 2024 beschlossene Wohnbauinitiative wird die Nachfrage im 2. Halbjahr 2025 stützen und 2026 voll zum Tragen kommen. Das WIFO erwartet zudem einen weiteren Rückgang der Zinsen. Unter diesen Umständen sollte der Bausektor 2026 die Gesamtwirtschaft ankurbeln.
Abseits des Bauwesens wird es 2025 weiterhin einen Rückgang bei realen Investitionen geben. Aufgrund der geringen Kapazitätsauslastung konzentrieren sich diese Investitionen vor allem auf Ersatzinvestitionen statt auf Erweiterungen.
Die im vergangenen Jahr deutlich gestiegene Sparquote der privaten Haushalte wird 2025 allmählich wieder zurückgeführt, was trotz der belastenden Effekte des Sparpakets ein geringes Wachstum des privaten Konsums ermöglichen wird.
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Im Jahr 2024 sank die Inflationsrate deutlich auf 2,9% (laut VPI). Für 2025 wird jedoch erwartet, dass sich der Rückgang verlangsamen wird. Dies liegt an der Auslaufphase der Strompreisbremsen, höheren Netzentgelten und einer verstärkten CO2-Bepreisung. Daher stieg die Inflationsrate zu Beginn des Jahres 2025 wieder an und wird sich im Verlauf des Jahres nur langsam verringern. Für das Jahr 2025 wird eine durchschnittliche Inflationsrate von 2,7% prognostiziert, 2026 wird sie bei 2,1% liegen.
Trotz der anhaltenden Rezession konnte die Beschäftigung 2024 leicht ausgeweitet werden, was auch 2025 zu erwarten ist. Allerdings sank die Arbeitszeit je Beschäftigungsverhältnis 2024 deutlich, was zu einem Rückgang des Arbeitsvolumens führte. Dieser Trend wird auch 2025 weiter bestehen. Erst 2026 wird die unselbstständig aktive Beschäftigung wieder um 0,8% steigen und somit das Arbeitsvolumen wachsen. Die Arbeitslosenquote wird 2025 leicht auf 7,3% steigen und erst 2026 auf 7,1% sinken.
Aufgrund der schwachen Konjunktur und des hohen Fehlbetrags im Vorjahr werden die Einsparungen im öffentlichen Haushalt nicht ausreichen, um das Budgetdefizit 2025 unter 3% des BIP zu drücken. Es wird voraussichtlich 3,3% des BIP betragen und aufgrund geplanter Offensivmaßnahmen trotz einer besseren Konjunktur im nächsten Jahr auf 3,5% des BIP ansteigen.
Der Rückgang der Treibhausgasemissionen wird sich auch 2025 fortsetzen (-1,8%), allerdings langsamer als im Vorjahr (-2,8%). Dies liegt zum einen daran, dass die Industrieproduktion nicht mehr so stark sinkt, zum anderen wurde der Ausstoß 2024 durch den milden Winter gedämpft. Für 2026 werden zwar weiterhin Dekarbonisierungstrends die Emissionen verringern, jedoch wird die Industrieproduktion wieder anziehen, sodass der Emissionsrückgang auf -1,4% sinken wird.
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