„Wir sehen wieder mehr Bewegung im Vermietungsmarkt“

Einschätzung von Rolf Mensing, Head of Germany bei CLS Holdings plc, zur Expo Real 2026 und der aktuellen Entwicklung am Büromarkt in Deutschland
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
Rolf Mensing
Rolf Mensing
© cls Holdings plc

Wir sehen wieder mehr Bewegung im Vermietungsmarkt. Nach mehreren Jahren, in denen insbesondere große Unternehmen unterschiedliche Modelle rund um Homeoffice, Desk Sharing und New Work erprobt haben, haben viele heute deutlich klarere Vorstellungen davon, wie viel Fläche sie mittel- bis langfristig benötigen und was diese leisten muss. Auch im deutschen Mittelstand beobachten wir diesen Prozess zunehmend. Gleichzeitig laufen Mietverträge aus den Jahren vor der Pandemie langsam aus. Unternehmen, die ihren künftigen Bedarf noch nicht abschließend definiert haben, sichern sich dagegen häufig mit kürzeren Verlängerungen zusätzliche Flexibilität.

Zwei Trends bleiben dabei prägend: Flight to Quality und Flight to Location. Beim Standort beobachten wir allerdings eine stärkere Differenzierung. Gerade vor dem Hintergrund einer höheren Kostensensibilität entscheiden sich Nutzer zunehmend bewusst für gut angebundene B-Lagen, wenn sie dort die gewünschte Gebäude- und Flächenqualität zu wirtschaftlich attraktiveren Konditionen bekommen. In solchen Fällen kann die Qualität der Immobilie für die Standortentscheidung sogar stärker wiegen als die klassische Lagekategorie. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter trotz des schwierigen konjunkturellen Umfelds bestehen. Unternehmen investieren deshalb weiterhin bewusst in Arbeitsumgebungen, die Mitarbeiter anziehen, Zusammenarbeit fördern und modernen Anforderungen an Aufenthaltsqualität und Energieeffizienz entsprechen.

Für Eigentümer bedeutet das: Die Nachfrage ist anspruchsvoller geworden, und sie verlangt deutlich mehr aktives Asset Management. Vermieter müssen die Nutzer verstehen, flexibel auf deren Anforderungen reagieren und Immobilien konsequent weiterentwickeln. Wie das aussehen kann, zeigen aktuelle Beispiele aus unserem deutschen Portfolio: Beim ‚The Brix‘ in Essen haben wir eine Immobilie mit signifikantem Leerstand erfolgreich repositioniert, langfristig stabilisiert und anschließend den geschaffenen Wert mit dem Verkauf realisiert. Beim ‚Maximilianforum‘ bei München reagieren wir auf veränderte Nachfrage, indem wir klassische Büroflächen um Labor- und weitere Nutzungen ergänzen und das Objekt zum Life-Science-Hub weiterentwickeln. Und das ‚Adlershofer Tor‘ in Berlin zeigt, welche Stärke in einem breit diversifizierten Multi-Tenant-Konzept liegen kann: Unterschiedliche Nutzungen ergänzen sich dort und tragen zur Attraktivität und Resilienz der Immobilie bei.

Entsprechend freuen wir uns auf den Austausch auf der Expo Real. Ich erwarte, dass neben Finanzierung und Transaktionen die operative Frage wieder stärker in den Mittelpunkt rückt: Welche Immobilien können die veränderte Nachfrage bedienen, wo lohnt sich weiteres Investment in den Bestand und welche Konzepte schaffen langfristig Wert? Der Markt bleibt anspruchsvoll – aber gerade deshalb gewinnen Differenzierung, Nähe zum Nutzer und aktives Asset Management weiter an Bedeutung. Gleichzeitig sehen wir seit dem Frühsommer erste Anzeichen einer konjunkturellen Belebung. Sollte sich diese Entwicklung verstetigen, dürfte sie auch die Flächennachfrage am Immobilienmarkt weiter stabilisieren und zusätzliche Impulse setzen.”

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