Nach dem Platzen der Multimillionen-Transaktion mit der Scout24-Gruppe spricht Roland Schmid, Gründer und CEO von IMMOunited, über seine Enttäuschung, die Rolle der Bundeswettbewerbsbehörde und die Pläne für ein neues Immobilienportal, das am 11. Juni 2026 an den Start gehen wird.
Der Verkauf von IMMOunited an die Scout24-Gruppe ist gescheitert. Wie haben Sie diesen Moment erlebt?
Roland Schmid: Nach fast zwei Jahrzehnten des Aufbaus und des persönlichen Einsatzes für dieses Unternehmen ist die Entscheidung, es nicht veräußern zu können, eine außerordentlich schwierige Situation - sowohl geschäftlich als auch persönlich.
Sie machen die Bundeswettbewerbsbehörde direkt verantwortlich. Worin sehen Sie konkret das Fehlverhalten der BWB?
Die Behörde hat den Deal faktisch verunmöglicht, auch wenn es formal kein Verbot war, sondern ein Rückzug des Prüfungsantrags durch Scout24. Das Ergebnis ist dasselbe: Ich konnte mein Unternehmen nicht verkaufen.
Was mich besonders stört, ist das Vorgehen. Es kamen immer wieder neue Bedenken, ohne klare Erklärungen, ohne akzeptable Bedingungen. Für jeden Einwand haben wir vernünftige Auflagen angeboten. Diese wurden nicht angenommen. Stattdessen tauchten kontinuierlich neue Themen auf.
Was mich sehr erstaunt hat, war der heftige Gegenwind aus der Branche. Ich hatte neben ImmoScout weitere Kaufanbote auf dem Tisch liegen. Dass aber einer der nicht zum Zug gekommenen Interessenten, dann gegen den Deal massiv vorging, hat mich sehr verwundert, zählt er mit seiner Plattform selbst zu den großen der Branche.
Die BWB hat Kunden von IMMOunited kontaktiert, um deren Einschätzung zur Übernahme einzuholen. Welche Bedenken wurden dabei geäußert?
Es wurden Befürchtungen wie Preiserhöhungen oder eine Exklusivität der IMMOunited-Leistungen für Scout24-Kunden genannt. Diese Einwände konnten wir widerlegen. Aber kaum war ein Punkt vom Tisch, kam der nächste. Das war kein konstruktiver Prozess.
Sie sprechen von einem „Eigentor für den Standort Österreich". Was meinen Sie damit?
Rechtssicherheit ist die Grundlage unternehmerischen Handelns. Wenn ein Unternehmer, der sein Unternehmen über Jahrzehnte aufgebaut hat, nicht frei entscheiden kann, ob er es verkauft, dann sendet das ein fatales Signal. Besonders für Start-ups und wachstumsstarke Unternehmen, die irgendwann einen Exit anstreben. Das schadet dem Image Österreichs als Wirtschaftsstandort nachhaltig.
Welchen finanziellen Schaden hat das Scheitern des Deals verursacht?
Der Prozess hat zu einem Schaden im niedrigen siebenstelligen Bereich geführt, auch durch Beraterkosten. Das ist eine Summe, die man sich auch leisten können muss. Dazu kommen Umsätze, die in dieser Phase verloren gegangen sind und die wir jetzt mit Hochdruck zurückzuholen versuchen. Dazu kommt auch noch der Imageschaden.
Wir hatten auch intern damit zu kämpfen. Mitarbeiter waren verunsichert, einige haben das Unternehmen auch verlassen. Es war nicht nur für mich eine schwierige Zeit. Die Weiterentwicklung unserer Produkte ist zum Stillstand gekommen. Ich hatte mein Unternehmen ja bereits verkauft - nur die Genehmigung stand noch aus.
Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich nach dem Scheitern wieder neu ausgerichtet haben?
Meine Enttäuschung hat nicht länger als zwei Wochen gedauert. Obwohl meine Lebensplanung über den Haufen geworfen wurde. Ich war fast 50 und Vater geworden - und meine Frau und ich hatten andere Ziele. Dann habe ich angefangen, Pläne zu schmieden. Ich bin Unternehmer. Stillstand ist keine Option. Eines möchte ich aber dennoch betonen: Dass ein DAX-Unternehmen meine IMMOunited kaufen wollte, darauf darf ich stolz sein.
Nun bin ich wieder voller Tatendrang da.
IMMOunited hat für den 11. Juni 2026 den Launch eines neuen Immobilienportals angekündigt. Was steckt dahinter? Was unterscheidet dieses Portal von bestehenden Lösungen am Markt?
Wir haben die weltweit führenden Immobilienmärkte analysiert, von New York bis London. Die Learnings daraus stecken nun in einem einzigen Portal. Kunden erhalten das Beste aus allen Welten. Das neue Portal kombiniert Immobiliendaten auf Expertenniveau mit einer intuitiven Oberfläche, die leicht verständlich ist. Es richtet sich an beide Seiten des Markts: Suchende profitieren von Transparenz und fundierten Entscheidungsgrundlagen, Vermittler können Immobilien noch optimaler und zeitnaher vermarkten.
Dieser Schritt ist eine logische und vor allem notwendige Weiterentwicklung unserer Arbeit. Es gibt Produkte, über die man in der Branche redet. Und es gibt Produkte, die die Branche verändern. Unser neues Immobilienportal gehört zur zweiten Kategorie. Und das Bemerkenswerteste daran: Selbst jene, die anfangs skeptisch waren, sind nach den ersten Tests begeistert. Beim Start werden mit einer mehr als beachtlichen Anzahl an Objekten auf unserer neuen Plattform haben.
Gehen wir ins Detail. Was ist das Alleinstellungsmerkmal?
Der Immobilienkauf ist eine emotionale, aber auch datengetriebene Entscheidung. Daten die bisher nur den professionellen Marktteilnehmern zur Verfügung standen, stehen nun auch den Privaten zur Verfügung. Die App IU2GO war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Plattform wird die Immobiliensuche für Private auf ein neues Level heben. Bei jedem angebotenem Objekt sieht der Interessent auf einen Blick: ist dieses im Preis vergleichbar mit anderen Immobilien in der Umgebung, oder ist es eher teurer oder günstiger. Diese Angaben sind keine Immobilienbewertung - sondern sind das Ergebnis hedonischer Immobilienschätzung. Diese basiert auf tatsächlichen Verkaufsdaten und mathematischen Modellen, was zu einer objektiven und marktgerechten Bewertung führt. Sowohl Käufer als auch Verkäufer erhalten eine datenbasierte Einschätzung des realistischen Preises, was eine fundierte Verhandlungsgrundlage schafft.
Auf Knopfdruck sieht der Interessent dann auch tatsächliche Transaktionsdaten. Dieser Service wird in weiterer Folge kostenpflichtig sein.
Bei der Standortanalyse der Immobilie setzen wir auf eine Verwendung von Isochronen. Die Zeit, die für eine Strecke benötigt wird, ist oft relevanter als die reine Distanz. Ob eine Person einen Ort erreichen kann oder nicht, hängt in der Regel von der dafür benötigten Zeit ab. Isochronen ermöglichen eine bessere Planung und Entscheidungsfindung, da sie die tatsächliche Pendelzeit zum Arbeitsplatz liegen, oder die Zugänglichkeit zu Schulen, Einkaufsmöglichkeiten oder Ärzten bewerten.
Welche langfristige Vision verfolgt IMMOunited mit diesem Schritt?
Die Vision bleibt klar: den Immobilienmarkt noch transparenter, klarer und datenbasierter zu machen. Fundierte Entscheidungen sollen zum Standard für alle Marktteilnehmer werden. Daran arbeiten wir seit fast zwei Jahrzehnten. Daran ändert auch ein geplatzter Deal nichts.
Was macht Sie so sicher, dass die Plattform ein Erfolg wird?
Das Zauberwort heißt Marketing. Wir können das, wir haben die Ideen, die Kraft und auch die Möglichkeiten dafür. Die Plattform IMMOunited wird in Social Media, online und Print und im TV beworben - mit Testimonials wie Helge Payer, Marko Arnautovic und Ralf Rangnick. Der Launch des Portals ist für den 11. Juni 2026 geplant - kein Zufall, dass es auf den Fußball-WM-Start trifft.
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„Es gibt Produkte, über die man in der Branche redet. Und es gibt Produkte, die die Branche verändern. Unser neues Immobilienportal gehört zur zweiten Kategorie."—Roland Schmid, Gründer und CEO, IMMOunited