Wie sich Beton gezielter einsetzen lässt, Bauteile bei gleicher Leistung um 40 % leichter gestaltet werden können und neue architektonische Freiheiten entstehen, zeigt Baumit mit einem neuen Ausstellungspavillon im STRABAG Reallabor – Nachhaltiges Bauen in der Fassfabrik in Wien. Der begehbare BauMinator® Pavillon verbindet Wand, Stütze und Decke zu einer gemeinsamen Formensprache – gefertigt mittels 3D-Betondruck.
Ein Pavillon als Praxisbeispiel
Der Pavillon zeigt, wie digitale Fertigung konstruktive Anforderungen und Gestaltung verbinden kann. Wand, Stütze und Decke folgen einer einheitlichen Formensprache. Gleichzeitig machen die Bauteile sichtbar, dass 3D-Druckelemente nicht nur als durchgängige Komponenten, sondern auch in einzelnen Segmenten gefertigt und anschließend montiert werden können. Insbesondere im Bestand bietet die Segmentierung erhebliche Vorteile, da die oftmals beengten Platzverhältnisse den Transport und die Montage großformatiger Bauteile erschweren.
Auf einer überbauten Fläche von 14 m² wurden 34 individuell gestaltete Bauteile zu einem Pavillon mit den Abmessungen von 6,30 x 2,40 Metern zusammengesetzt. Für sämtliche Beton-3D-Druckteile kamen 1.200 Kilogramm Printbeton zum Einsatz. Die reine Produktionszeit betrug vier Stunden. Der Roboter legte dabei eine Druckbahn von insgesamt 3.200 Metern zurück.
Leichter bauen, Material sparen
Im Mittelpunkt steht das gewichtsreduzierte BauMinator® Deckensystem. Durch gezielte Massenentnahme lässt sich der Einsatz von Beton und Bewehrungsstahl reduzieren. Das System ermöglicht rund 40 % weniger Gewicht und Materialbedarf, ohne dabei auf Tragfähigkeit zu verzichten. Im Gegenteil: Die optimierte Geometrie kann die Tragfähigkeit der Decke zusätzlich unterstützen und deutlich größere Spannweiten bei gleichbleibender Dicke ermöglichen.
„Mit dem BauMinator® entwickeln wir Bauteile vom digitalen Entwurf bis zur realen Anwendung weiter. Der Pavillon zeigt, wie 3D-Betondruck Material gezielt einsetzt, Tragfähigkeit unterstützt und gleichzeitig neue Gestaltungsspielräume eröffnet.“— Robert Schmid - F&E BauMinator, Baumit Group
Rückbaubar gedacht
Der Ausstellungspavillon wurde ohne Füllbeton ausgeführt und ist dadurch vollständig rückbaubar sowie wiederverwendbar. Die offene Bewehrung bietet einen direkten Blick auf die Konstruktion. Ein als Oberlicht ausgebildeter Aussparungskörper in der Decke zeigt zudem, dass der BauMinator® nicht nur materialeffiziente, sondern auch funktional und architektonisch differenzierte Lösungen ermöglicht.
Stütze und Wand wurden zu Demonstrationszwecken mit der bereits während des Druckprozesses eingebrachten, patentierten Seilbewehrung ausgeführt. Damit veranschaulicht der Pavillon auch das Zusammenspiel von additiver Fertigung und Bewehrungstechnik.
Bereits in der Baupraxis erprobt
Dass sich das BauMinator® Deckensystem auch bei realen Bauaufgaben bewährt, zeigen bereits mehrere umgesetzte Projekte, darunter auch jenes in der Salzstadlstraße I der Salzburg Wohnbau.
Für eine Deckenfläche von 800 m² wurden 3D-gedruckte Aussparungskörper eingesetzt. Das Konzept ermöglicht bis zu 40 % weniger Gewicht bei gleicher Tragfähigkeit und unterstützt zugleich rückbaubare sowie recyclingfreundliche Rohbaukonstruktionen.
Reallabor für neue Bauwege
Mit dem Ausstellungspavillon beteiligt sich Baumit als Partner am STRABAG Reallabor – Nachhaltiges Bauen in der Lastenstraße 19 in Wien-Liesing. Auf dem Areal der ehemaligen Fassfabrik werden nachhaltige Baustoffe und Bauverfahren unter realen Bedingungen erprobt, präsentiert und weiterentwickelt. Das Reallabor verbindet Forschung, Wissensvermittlung, Akzeptanzförderung und die Integration neuer Lösungen in die Baupraxis. Als offener Ausstellungs- und Veranstaltungsraum macht es zukunftsfähige Bau- und Materiallösungen für Fachpublikum, Partner, Studierende und die interessierte Öffentlichkeit erlebbar.
„Der BauMinator® Pavillon zeigt, wie digitale Planung und materialeffiziente Konstruktionen zusammenwirken können. Genau solche Lösungen wollen wir im Reallabor – Nachhaltiges Bauen sichtbar machen und diskutieren. Die positive Resonanz zeigt den Bedarf an Austausch und Zusammenarbeit und bestärkt uns darin, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und weitere Interessierte einzuladen, gemeinsam die Akzeptanz emissionsarmer Baustoffe zu stärken und deren Einsatz in der Baupraxis voranzutreiben“, so Herwig Sumetzberger, Direktionsleiter RC Nachhaltige Baustoffe-neue Materialien, STRABAG AG.