Bestand als Materialquelle

Kreislaufwirtschaft: Wiens erste zirkuläre Bestandssanierung hält Materialien im Kreislauf
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
Bestand als Materialquelle
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Im Projekt Van-der-Nüll-Gasse 22, der ersten Wiener Bestandssanierung ganz nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft, zeigt die Sedlak Unternehmensgruppe ganz konkret, wie Materialien wiederverwendet werden können.

Nach der Analyse, was überhaupt im Gebäude vorhanden ist, konnten nach dem Baustart im Februar 2026 wesentliche Materialien zur Weiterverwendung identifiziert werden. Vieles davon ist erst durch innovative Verfahren oder Partnerschaften möglich. Folgende substanzielle Ressourcen werden u.a. wiederverwendet:

  • Fensterverglasungen: Bestehende Fenster wurden ausgebaut, einzeln geprüft und selektiert. Gemeinsam mit dem Partner Urban Matter werden geeignete Glasscheiben zwischengelagert, aufbereitet und als Mittelscheibe in neue dreifache Isolierverglasungen wieder eingesetzt.
  • Gipskartonplatten: Die Gipskartonplatten sollen zunächst rückgebaut und für den späteren Wiedereinbau aufbereitet werden. Anschließend werden sie auf der Baustelle zwischengelagert und zu einem späteren Zeitpunkt in neuen Trennwänden wiederverwendet.
  • Ziegelmauerwerk: Ziegel aus rückgebauten Wandbereichen werden händisch gesäubert, sortiert und direkt wieder vermauert. Statt einer Entsorgung werden bestehende Baustoffe unmittelbar erneut eingesetzt.

Ergänzend kommen neue Systeme zum Einsatz, die später vollständig demontierbar sind: Abgehängte Decken und Installationslösungen lassen sich rückbauen und erneut verwenden, ohne die umliegende Bausubstanz zu beschädigen.

„Wenn man den Bestand konsequent als Materialquelle versteht, verändert sich der gesamte Umgang mit dem Gebäude. Vieles, was bisher als Abfall galt, kann direkt weiterverwendet werden.“
—Margarete Berl - Projektleiterin