CO2-reduzierte Stahlproduktion der Zukunft

Drees & Sommer begleitet thyssenkrupp beim Bau einer innovativen Produktionsanlage
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
Modell Duisburg Visualisierung
Modell Duisburg Visualisierung
© thyssenkrupp Steel Europe AG

Beim größten Stahlhersteller Deutschlands stehen alle Zeichen auf Transformation: Perspektivisch weichen Hochöfen im Duisburger Stahlwerk von thyssenkrupp Steel einer modernen Direktreduktions-(DR)-Anlage. Mit klimafreundlicher Wasserstofftechnologie und innovativen Einschmelzern soll dort künftig CO2-armes Roheisen hergestellt werden. Ein wegweisender Schritt, denn rund 30 Prozent der gesamten Industrieemissionen Deutschlands gehen auf die Stahlindustrie zurück. Der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen beteiligen sich mit zwei Milliarden Euro am Zukunftsprojekt. Das auf Bau und Immobilien spezialisierte Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE mit Hauptsitz in Stuttgart unterstützt thyssenkrupp Steel dabei mit Objekt- und Tragwerksplanung, Technischer Gebäudeausrüstung, Bauphysik und Infrastrukturplanung. Für den Bau der Direktreduktionsanlage ist die Mönchengladbacher SMS Group verantwortlich. 

Die neue Anlage läutet eine technologische Wende ein und ist zugleich eines der größten Projekte in der Konzerngeschichte. Der Grund: Mit einer Kapazität von 2,5 Millionen Tonnen direktreduziertem Eisen ist die geplante Direktreduktionsanlage eines der weltweit größten Dekarbonisierungsprojekte.

„Mit der Direktreduktionsanlage und den beiden nachgeschalteten Einschmelzern können wir im Wasserstoffbetrieb jährlich bis zu 3,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Das entspricht etwa einem Fünftel der gesamten Emissionen der deutschen Stahlindustrie.“
—Florian Kremers - Betriebsleiter Direktreduktionsanlage und Einschmelzer bei thyssenkrupp Steel

Das sogenannte Direktreduktionsverfahren gilt als nachhaltige Alternative zum energie- und CO2-intensiven Hochofenprozess, da statt Kohle Wasserstoff als Reduktionsmittel zum Einsatz kommen soll. Doch bevor erster klimafreundlicher Stahl das Duisburger Werk verlassen kann, heißt es: baggern, bohren und bauen.

Höchstmaß an planerischem Know-how gefragt

So starteten bereits Mitte 2024 die Tiefbauarbeiten auf der rund 40 Fußballfelder großen Baufläche unweit des derzeitigen Kraftwerks in Duisburg-Walsum. Aktuell sind weitgehend alle Fundamente vorbereitet und mit massiven Pfählen stabilisiert, Baustraßen errichtet und Leitungen verlegt. Neben der neuen Direktreduktionsanlage mit dem Turm und zwei Einschmelzern als Herzstücken entstehen zahlreiche Funktionsgebäude sowie ein großes Büro- und Werkstattgebäude, eine komplett neue Infrastruktur mit Verkehrsanlagen und Lagerflächen.

„Wir haben es hier mit einem gewaltigen Industriekomplex zu tun, der insgesamt über 60 neue Bauwerke und Anlagen umfasst. Die Planungen sind entsprechend anspruchsvoll, erfordern ein Höchstmaß an planerischem und bautechnischem Know-how und verlangen den Beteiligten in Kommunikation und Koordination alles ab“, berichtet Christoph Blessing, Verantwortlicher für das Großprojekt bei Drees & Sommer. Das Beratungsunternehmen ist mit Planungs- und Beratungsleistungen über alle Gewerke hinweg beauftragt. In der Gebäudeplanung begleitet Drees & Sommer die technischen Gespräche und übernimmt die Qualitätssicherung bei Plänen und Dokumenten.

Herzensprojekt mit großer Wirkung

„Damit der Anlagenbau reibungslos abläuft, müssen Hunderte Planungs- und Bauschritte penibel aufeinander abgestimmt werden. Das ist eine der größten Herausforderungen des Projekts“, sagt der Planungsexperte. Trotz der hohen Projektkomplexität sind Blessing und sein bis zu 80-köpfiges Team mit Herzblut dabei: „Uns motiviert es enorm, dass wir mit der DR-Anlage eine zukunftsweisende Technologie umsetzen und so zur Transformation der Stahlwirtschaft von einem der größten CO2-Emittenten hin zum klimabewussten Produzenten beitragen“.

Auch für thyssenkrupp Steel ist das ein Herzensprojekt, das einen Wendepunkt in der Konzerngeschichte markiert. Noch ist der notwendige grüne Wasserstoff jedoch teuer und nicht in ausreichenden Mengen am Markt verfügbar. Deshalb wird die neue Anlage zunächst mit Erdgas betrieben, was jedoch bereits über 50 Prozent der CO2-Emissionen einspart. Perspektivisch ist für industrielle Großabnehmer wie thyssenkrupp Steel der Ausbau des Wasserstoffnetzes eine entscheidende und notwendige Entwicklung, die die Markt- und Wettbewerbsfähigkeit von grünem Wasserstoff sicherstellt und die wachsende Nachfrage bedient.