Sechs Monate nach dem Start der Lizenzpartnerschaft in Vorarlberg ziehen die beiden Lizenzpartner Richard Jennewein und Sven Schäfer, Geschäftsführer von Engel & Völkers Vorarlberg, eine positive Zwischenbilanz. Mit den Standorten in Lech und Schruns sowie der für März geplanten Eröffnung in Bregenz wurde die regionale Marktpräsenz unter ihrer Leitung bereits strategisch erweitert. Weitere Büros sind in Dornbirn und Feldkirch geplant.
„Wir öffnen regional Türen in die ganze Welt – und umgekehrt. Gerade in einem kleinteilig strukturierten Markt wie Vorarlberg ist diese internationale Vernetzung ein klarer Wettbewerbsvorteil.“—Richard Jennewein und Sven Schäfer
Makro- und Finanzierungsrahmen: Stabilisierung schafft neue Handlungsfähigkeit
Der Immobilienmarkt war 2025 österreichweit von einer verbesserten Finanzierungsbasis geprägt. Sinkende Zinsen führten zu einer wieder anziehenden Nachfrage nach Wohnbaukrediten. Mit dem Auslaufen der KIM-Verordnung per 30. Juni 2025 erhielten Banken zudem mehr Flexibilität in der Kreditvergabe, wenngleich solide Vergabestandards weiterhin gelten.
„Wir haben 2025 vor allem eine Normalisierung gesehen: Der Markt ist wieder handlungsfähiger, aber deutlich rationaler – Lage, Zustand und Energiequalität entscheiden stärker als früher.“—Richard Jennewein
Parallel dazu sorgten die rückläufige Inflation und ein moderates Wirtschaftswachstum für steigende Planungssicherheit und ein stabileres Konsum- und Investitionsumfeld.
Vorarlberger Wohnimmobilien 2025: Bestand stärker nachgefragt als Neubau
Nach dem starken Preisanstieg in den Jahren bis 2022 folgte 2023/24 eine moderate Preiskorrektur. 2025 stabilisierte sich das Preisniveau – maßgeblich getragen von verbesserten Finanzierungsbedingungen und stabileren Einkommen. Marktbeobachtungen im westlichen Bundesland Österreichs zeigen eine klare Verschiebung von Angebot und Nachfrage Richtung Bestandsimmobilien. Im Raum Dornbirn bewegten sich gebrauchte, gut ausgestattete Eigentumswohnungen 2025 bei rund 5.000 EUR/m². Gleichzeitig wurde eine tendenziell höhere Anzahl an Kaufabschlüssen registriert – insbesondere bei realistisch bepreisten Objekten.
Auch die Käuferpsychologie hat sich nachhaltig verändert:
„Es gilt: Bestand vor Neubau, mehr Quadratmeter fürs Budget, klare Kalkulierbarkeit von Sanierungs- und Energiekosten. Gute Mikrolagen und Objekte in Top-Zustand bleiben liquide. Immobilien mit Sanierungsbedarf hingegen benötigen eine realistische Preisbildung und transparente Investitionsperspektiven. Vorarlberg bleibt insgesamt ein hochpreisiger Markt – allerdings mit deutlich stärkerer Käufer:innen-Selektion als noch in den Boomjahren.”—Sven Schäfer
Strukturelle Enge verstärkt Preisdruck am Mietmarkt
Der Mietmarkt in Vorarlberg zeigt weiterhin einen strukturellen Engpass – so die Prognose von Engel & Völkers. Die Nachfrage nach Mietobjekten bleibt hoch, während die Neubauleistung wegen anhaltend hoher Kosten der Baubranche niedrig ist. Im Raum Dornbirn lagen Richtwerte für gut ausgestattete Mietwohnungen – ab einer Größe von rund 65 m² – im vergangenen Jahr bei etwa 14 EUR /m².
„Solange die Bautätigkeit nicht signifikant zunimmt, wird der Preisdruck am Mietmarkt tendenziell über dem Inflationsniveau bleiben.“—Richard Jennewein
Gewerbeimmobilien: Stabilisierung mit klarer Spreizung
Auch im gewerblichen Segment zeigte 2025 ein stabilisierendes, aber differenziertes Marktumfeld. Der Investmentmarkt blieb herausfordernd, mit Fokus auf Core-Qualität und überwiegend heimischen Investoren.
„Bei Gewerbeimmobilien setzt sich die Spreizung fort: Top-Objekte bleiben gefragt, während B-Lagen, schwächere Lagen und ältere Standards ein aktives Asset-Management brauchen.“—Sven Schäfer
In den Nutzermärkten – Büro, Handel und Gewerbe – gewinnen Faktoren, wie Energieeffizienz, flexible Flächenkonzepte und kontrollierbare Betriebskosten deutlich an Bedeutung. Sekundäre Lagen benötigen währenddessen verstärkt Anreize wie Umnutzungskonzepte oder Investitionen in ESG-Qualität.
Ausblick 2026: Stabilisierung mit moderater Marktbelebung
Für 2026 rechnet Engel & Völkers Vorarlberg im Wohnimmobiliensegment mit einer moderaten Preisentwicklung und Marktbelebung im Sinne einer „Stabilisierung mit Aufwärtstendenz“. Als Treiber dafür gelten niedrigere Zinsen, verbesserte Leistbarkeit sowie mehr Finanzierungsspielraum nach dem Ende der KIM-Verordnung. Gleichzeitig begrenzen hohe Ausgangspreise und das Ausbleiben einer Nullzins-Phase eine stärkere Marktdynamik.
„Mit sinkenden Zinsen und mehr Flexibilität in der Finanzierung erwarten wir 2026 eine moderate Belebung – ohne Rückkehr zum Boom.“—Sven Jennewein und Richard Schäfer
Im Vorarlberger Mietmarkt dürfte sich der Preisdruck auch in diesem Jahr weiterhin fortsetzen, solange die Angebotsseite nicht spürbar wächst. Im Gewerbebereich erscheint eine selektive Erholung wahrscheinlich – vorausgesetzt, Konjunktur und Planungssicherheit stabilisieren sich weiter. Umzugs- und Expansionsentscheidungen werden jedoch stark qualitäts- und bonitätsgetrieben bleiben.