Fernwärme primäre Energiequelle der Österreicher

Wechselwille aus Gas und Öl steigt deutlich
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Fernwärme primäre Energiequelle der Österreicher
© www.christinahaeusler.at

Die hohen Energiepreise belasten österreichische Haushalte weiterhin spürbar – und treiben den Wechselwillen bei fossilen Energieträgern auf neue Höchststände. Das zeigt das EY Energiebarometer 2026, für das 1.000 Österreicher:innen zwischen 18 und 65 Jahren Ende August bis Mitte September befragt wurden. Fernwärme und Wärmepumpen gewinnen deutlich an Verbreitung, während Öl und Gas als Wärmequellen unter Druck geraten.

Derzeit beziehen 77 Prozent der österreichischen Haushalte ihre Energie ausschließlich von Stromanbietern. Bei den Wärmequellen führt Fernwärme mit einer Verbreitung in 36 Prozent der Haushalte – gegenüber 27 Prozent im Vorjahr entspricht das einem Anstieg von neun Prozentpunkten, der auf den verstärkten Netzausbau zurückgeht. Gas folgt mit 25 Prozent (2025: 23 %), Pellets und Holz kommen auf 17 Prozent, Luft-, Wasser- und Wärmepumpen auf 15 Prozent der Haushalte. Öl wird noch von knapp zehn Prozent genutzt.

Die Mehrjahresentwicklung verdeutlicht den Strukturwandel: 2022 nutzten lediglich neun Prozent eine Wärmepumpe; dieser Anteil stieg binnen eines Jahres von zehn auf 15 Prozent. Pellets und Holz verloren im selben Zeitraum deutlich – von 22 Prozent (2022) auf nunmehr 17 Prozent. Gas sank moderat von 27 auf 25 Prozent. Photovoltaik erreicht immerhin knapp jeden zehnten Haushalt; Solar, Infrarot und Biomasse bleiben weit abgeschlagen.

Öl-Haushalte: Wechselwille verdoppelt

64 Prozent der Haushalte mit Ölheizung wollen auf eine andere Energiequelle umsteigen. 34 Prozent planen den Wechsel kurz- bis mittelfristig konkret, weitere 30 Prozent signalisieren grundsätzliche Wechselbereitschaft ohne konkreten Zeithorizont.

„Im Vorjahr war es etwas mehr als ein Drittel der Personen mit Ölheizung, das über einen Wechsel auf ein anders System nachdachte oder mitten im Umstieg war. Man kann also sagen, der Wechselwille bei der Energiequelle Öl hat sich verdoppelt – ein klares Zeichen dafür, dass die geo- und marktpolitische Lage rund um fossile Energieträger den Menschen in Österreich durchwegs große Sorgen bereitet.“
—Christina Khinast-Sittenthaler, Leiterin des Energiesektors bei EY Österreich

Als Hauptmotiv für den geplanten Ausstieg nennen 60 Prozent der wechselwilligen Öl-Haushalte die Preisentwicklung, 52 Prozent den Wunsch nach Unabhängigkeit vom Ölmarkt. Klimaschutz rangiert mit 47 Prozent dahinter.

Gas-Haushalte:

Auch bei Gas-Nutzern wächst der Druck. 26 Prozent befinden sich bereits im Wechselprozess oder in konkreter Planung, ein weiteres Viertel (25 Prozent) bekundet grundsätzliche Wechselabsicht. Insgesamt erweist sich damit die Hälfte der Gas-Haushalte (51 Prozent) als wechselwillig. Die Treiber gleichen jenen bei Öl: Preisentwicklung (52 %) und Unabhängigkeit (49 %) dominieren; Klimaschutz spielt mit 38 Prozent eine geringere Rolle als bei Öl-Haushalten.

„Der Sorgendruck durch die hohen Energiekosten ist nicht kleiner geworden, und parallel dazu ist der Wechselwille im Bereich Wärme, insbesondere bei den Quellen Öl und Gas, in die Höhe geschossen. Primär wegen der Kosten und der Angst vor Abhängigkeit, weniger wegen des Klimaschutzes. Hier gäbe es, gerade bei alternativen Quellen, noch große Potenziale, die es zu heben gilt – und dafür braucht es Anreize.“
—Christina Khinast-Sittenthaler

Strommarkt: Wechselaktivität steigt, ELWG mehrheitlich bekannt

Auch im Stromsegment zeigt sich erhöhte Wechselaktivität: 15 Prozent der Haushalte wechselten 2026 den Stromanbieter, mehr als jeder fünfte (21 Prozent) zumindest den Tarif beim bestehenden Anbieter. Insgesamt versuchte damit über ein Drittel der Haushalte, die Stromrechnung durch aktives Eingreifen zu senken.

Die durch das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ELWG) vereinfachten Wechselmöglichkeiten sind mittlerweile 55 Prozent der Bevölkerung bekannt. Der gesetzliche Sozialtarif erreicht bislang nur 43 Prozent der Befragten.

Eigenproduktion und Heimspeicher: Speicherkapazität wächst stark

Strom aus Eigenproduktion hat sich trotz hohem Wechselwillen noch nicht breit durchgesetzt: 22 Prozent der Haushalte nutzen zumindest teilweise selbst erzeugte Energie (2025: 21 %). Fünf Prozent produzieren ihren Strom vollständig selbst, weitere fünf Prozent decken zumindest die Hälfte des Bedarfs aus Eigenproduktion; der Großteil der Eigenproduzent:innen (12 %) stellt weniger als die Hälfte des Bedarfs selbst her.

Deutlich dynamischer entwickelt sich die Heimspeicher-Ausstattung: 55 Prozent der Haushalte verfügen bereits über einen Heimspeicher (2025: 48 %; 2022: 23 %), ein weiteres Viertel (26 %) plant die Anschaffung. Der Anstieg von 23 auf 55 Prozent innerhalb von vier Jahren signalisiert eine rasch wachsende Bereitschaft, überschüssige Strommengen im eigenen Haushalt zu speichern – auch wenn die vollständige Eigenversorgung vorerst die Ausnahme bleibt.

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