GLOBAL 2000 beklagt Gas-Ausstieg im Schneckentempo

Neue Sanierungsförderung startet am 2. November, doch ohne Gaswirtschaftsgesetz droht teures Flickwerk
Michael Neubauer
Michael Neubauer
GLOBAL 2000 beklagt Gas-Ausstieg im Schneckentempo
© Roland Rudolph

Am 2. November startet der Fördercall für den Heizkesseltausch. Die Bundesregierung stellt dafür knapp 20 Millionen Euro bis Jahresende bereit. Anfang Jänner soll die Sanierungsoffensive dann voll anlaufen. Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 begrüßt die Initiative, sieht aber große Lücken: Ohne neue Gesetze werden viele Haushalte leer ausgehen.

Gaspreise steigen – Handeln ist dringend

Die Lage auf dem Gasmarkt spitzt sich zu. Seit Beginn des Irankriegs sind die Gaspreise im Großhandel von rund 33,8 Euro/MWh im Februar auf 89,6 Euro/MWh im Oktober gestiegen – das ist mehr als eine Verdoppelung. Dieser Anstieg wird zeitverzögert bei den Kundinnen und Kunden ankommen. Dazu kommen die Gebühren für das Gasnetz, die heuer bereits um 18 Prozent gestiegen sind.

„Kommt nicht rasch eine Reform, wird das teuer für die verbliebenen Kund:innen, die dann für ein überdimensioniertes Gasnetz bezahlen müssen. Zuständig dafür ist Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer – hier müssen dringend Taten statt Worte folgen.“
—Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher GLOBAL 2000

Fehlende Gesetze bremsen den Heizungstausch

Das Kernproblem liegt im fehlenden rechtlichen Rahmen. Wer seine Heizung tauschen will, braucht dafür nicht nur Geld, sondern auch klare gesetzliche Regeln. Besonders Mieterinnen und Mieter können nicht selbst entscheiden, ob sie ihre Heizung austauschen – das liegt beim Vermieter. Ohne gesetzliche Änderungen werden sie von den Förderungen nicht profitieren.

„Es ist positiv, dass eine neue Sanierungsoffensive im nächsten Jahr starten kann, leider werden viele Haushalte nicht profitieren, weil die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür fehlen. Ein koordinierter Ausstieg aus Gasheizungen braucht zwingend ein neues Gaswirtschaftsgesetz. Minister Hattmannsdorfer ist hier weiterhin säumig und muss dringend liefern. Nur dann können etwa ganze Stadtteile koordiniert und kosteneffizient auf klimafreundliche Heizsysteme umgestellt werden. Kommt das nicht, droht ein teures Flickwerk.“
—Johannes Wahlmüller

EU-Klage und das Tempo-Problem

Österreich steht bereits unter Druck aus Brüssel. Ein EU-Vertragsverletzungsverfahren läuft, weil die Frist für die Umsetzung des EU-Gaspakets nicht eingehalten wurde. Die EU verlangte von den Mitgliedsstaaten bis 5. August 2026 Regelungen für eine koordinierte Gasnetz-Stilllegung. Österreich hat diese Frist versäumt.

Aktuell sind noch 844.000 Gasheizungen in österreichischen Wohngebäuden installiert – die meisten davon in Mietwohngebäuden. Das derzeitige Austauschtempo liegt bei rund 20.300 Heizungen pro Jahr. Bei diesem Tempo dauert die vollständige Umstellung bis ins Jahr 2065. „Österreich ist beim Gas-Ausstieg im Schneckentempo unterwegs. Der Minister hat alle Instrumente an der Hand, um hier den Turbo zu zünden,“ stellt Wahlmüller fest.

Jetzt handeln – bevor es noch teurer wird

GLOBAL 2000 fordert Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer auf, rasch zu handeln. Nur so lassen sich Haushalte und Betriebe aus der fossilen Preisfalle befreien. Wahlmüller fasst zusammen: „Wir sind damit weit entfernt davon, Klimaneutralität 2040 oder auch nur 2050 zu erreichen. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmansdorfer muss jetzt handeln, damit Haushalte und Betriebe von der fossilen Preisfalle befreit werden können und wir das klägliche Schneckentempo bei der Umstellung von Gasheizungen endlich hinter uns lassen können.“

Die Botschaft ist klar: Die Förderung allein reicht nicht. Ohne ein neues Gaswirtschaftsgesetz bleibt der Heizungstausch ein Flickwerk – teuer für alle, der Umwelt nicht dienlich und weit entfernt von den Klimazielen.

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