Insolvenzen sinken, doch zunehmend etablierte Unternehmen betroffen

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Österreich ist im ersten Halbjahr 2026 auf 1.881 gesunken.
Dagmar Gordon
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Insolvenz
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Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 mit 1.990 Fällen entspricht das einem Rückgang von 5,8 Prozent. Damit ist Österreich das einzige der drei DACH-Länder, in dem die Insolvenzzahlen sinken, während sie in Deutschland um 15,8 Prozent und in der Schweiz um 54,7 Prozent gestiegen sind. Das geht aus einer aktuellen Analyse von Dun & Bradstreet hervor.

Rechnerisch meldeten in Österreich im ersten Halbjahr 2026 täglich rund 10 Unternehmen Insolvenz an.

„Österreich befindet sich nach den außergewöhnlich starken Insolvenzanstiegen der Jahre 2023 bis 2025 in einer Konsolidierungsphase. Ein Teil der Unternehmen, die durch die Normalisierung nach der Pandemie unter Druck geraten waren, hat die Insolvenz inzwischen durchlaufen, das entlastet die Statistik. Gleichzeitig tragen viele Betriebe noch immer geschwächte Bilanzen aus mehreren Jahren mit Inflation, steigenden Lohnkosten und höheren Finanzierungskosten, auch wenn sich die Lage in Teilen bereits stabilisiert.“
— Dirk Radetzki, Senior Vice President, Global Transformation & Business Development bei Dun & Bradstreet Deutschland.

Uneinheitliches Bild in den Bundesländern

In den Bundesländern zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Die meisten Insolvenzen entfielen weiterhin auf Wien (859 Fälle), gefolgt von Niederösterreich (258) und Oberösterreich (215), auch wenn die Zahlen in Wien im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um 8,7 Prozent zurückgingen. Die stärksten Rückgänge verzeichneten Salzburg (-32,1 Prozent), Burgenland (-30,4 Prozent) und Tirol (-28,2 Prozent). Entgegen dem Trend wuchsen die Insolvenzzahlen dagegen in der Steiermark (+10,3 Prozent) und vor allem in Vorarlberg (+80,6 Prozent), ausgehend von einer vergleichsweise kleinen Unternehmensbasis, wodurch bereits wenige zusätzliche Fälle zu großen prozentualen Ausschlägen führen können. Ein Erklärungsansatz liegt in der starken Ausrichtung der Region auf exportorientierte Industrie- und Bauunternehmen, die unter der schwachen Nachfrage im benachbarten Deutschland und steigenden Betriebskosten leiden dürften.

Handel und Bau weiterhin mit den meisten Insolvenzen

Auf Branchenebene meldeten der Handel (311 Insolvenzen), die Bauwirtschaft (306) und juristische, kommerzielle und technische Dienstleistungen (239) die höchsten Fallzahlen, in allen drei Branchen gingen die Zahlen jedoch gegenüber dem Vorjahreshalbjahr zurück. Zugenommen haben die Insolvenzen dagegen im Bereich Unterricht, Museen und Galerien (+50 Prozent) sowie bei medizinischen und sozialen Diensten (+22,2 Prozent). Die stärksten Rückgänge verzeichneten der Finanz- und Beteiligungssektor (-38,8 Prozent) sowie KFZ-Dienste (-28,6 Prozent). Etablierte Unternehmen zunehmend betroffen, trotz sinkender Gesamtzahl

Eine Aufschlüsselung nach Unternehmensalter zeichnet ein differenziertes Bild. Die meisten Insolvenzen entfielen mit 385 Fällen auf Unternehmen mit einem Alter zwischen sechs und zehn Jahren, ihre Zahl sank damit um 36 Prozent gegenüber dem Vorjahreshalbjahr. Deutlich zugenommen haben dagegen die Insolvenzen bei länger etablierten Unternehmen. Bei Firmen zwischen 16 und 25 Jahren stieg die Zahl um 116 Prozent von 156 auf 337 Fälle, bei Unternehmen zwischen 26 und 50 Jahren um 178 Prozent von 111 auf 309 Fälle. Das deckt sich mit der Entwicklung in Deutschland und der Schweiz, wo ebenfalls zunehmend etablierte Unternehmen von Insolvenzen betroffen sind.

„Dass zunehmend länger etablierte Unternehmen von Insolvenzen betroffen sind, beobachten wir aktuell in der gesamten DACH-Region. Viele dieser Betriebe haben ihr Geschäftsmodell unter ganz anderen Kosten- und Nachfragebedingungen aufgebaut und stehen jetzt vor strukturellen Umbrüchen wie der Digitalisierung, der Energiewende und dem Fachkräftemangel, während sie traditionell einen großen Teil der Beschäftigung im Mittelstand stellen."
—Dirk Radetzki