Installateur werden vom Komplettanbieter zum reinen Montagedienstleister

Kunden kaufen Installationsprodukte zunehmend selbst bevor Handwerker sie einbauen
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Installateur werden vom Komplettanbieter zum reinen Montagedienstleister
© VAV Versicherung

Immer häufiger werden Installationsbetriebe erst dann eingebunden, wenn die Produktauswahl bereits abgeschlossen ist. Laut einer repräsentativen Studie beobachten 57 Prozent der österreichischen Installationsunternehmen, dass Kunden Sanitär- und Haustechnikprodukte zunehmend selbst kaufen und den Fachbetrieb lediglich mit der Montage beauftragen. Die Branche warnt vor den damit verbundenen Risiken und betont die Bedeutung einer frühzeitigen fachlichen Beratung. Bei Schadensfällen handelt es sich in den meisten Fällen um Wasserschäden, die mitunter erhebliche Folgekosten verursachen können.

Die aktuelle Befragung unter 200 österreichischen Installateur-Betrieben, die von der VAV Versicherung bei Telemark Marketing in Auftrag gegeben wurde, zeigt: Immer mehr Kunden beschaffen Sanitär- und Haustechnikprodukte eigenständig und beauftragen die Installationsunternehmen nur noch mit der Montage.

„Der Installateur wird zunehmend vom Komplettanbieter zum reinen Montagedienstleister gemacht. Mehr als die Hälfte der befragten Installateure gaben dabei an, dass dieser Trend in den letzten fünf Jahren zugenommen hat. Häufig wird jedoch von Kundenseite die Haftungsfrage unterschätzt, wenn es zu einem Schadensfall kommen sollte.“
—Robert Sobotka, Studienautor und Geschäftsführer von Telemark Marketing 

Spargedanke treibt Entwicklung an

Nach Einschätzung der Betriebe steht hinter dem Selbstkauf vor allem die Hoffnung auf niedrigere Kosten. 89 Prozent der Befragten nennen die erwartete Preisersparnis als wichtigsten Grund. Zusätzlich spielen die große Auswahl im Online-Handel sowie die schnelle Verfügbarkeit vieler Produkte eine Rolle.

Die befragten Betriebe weisen jedoch darauf hin, dass der reine Anschaffungspreis oft nur einen Teil der Gesamtkosten darstellt.

„Der zusätzliche Aufwand für die Prüfung und Anpassung fremder Produkte ist für viele Betriebe ein wesentlicher Faktor. Darüber hinaus werden häufig ein erhöhter Beratungs- und Dokumentationsaufwand genannt.“
—Robert Sobotka 

 

Mehr als die Hälfte der befragten Installateur-Betriebe ist der Meinung, dass Kunden ihre Fähigkeiten zur Selbstmontage überschätzen. Die Folgen zeigen sich im Arbeitsalltag vieler Betriebe: Rund ein Drittel der Installateure wird zumindest gelegentlich kontaktiert, wenn Kunden bei der Umsetzung scheitern. Jeder vierte Betrieb berichtet sogar, regelmäßig Projekte übernehmen zu müssen, die von Kunden begonnen, aber nicht fertiggestellt werden konnten.

„Was auf den ersten Blick einfach erscheint, erweist sich in der Praxis oft als deutlich komplexer. Gerade bei Sanitär- und Haustechnikinstallationen können bereits kleine Fehler weitreichende Folgen haben.“
—Robert Sobotka 

Haftung bleibt ein sensibles Thema

55 Prozent der Betriebe bauen grundsätzlich auch kundenseitig beschaffte Produkte ein. Fast alle knüpfen dies jedoch an bestimmte Rahmenbedingungen. Am weitaus häufigsten wurde hier ein Ausschluss der Gewährleistung für die Produkte bzw. eine Haftung ausschließlich für die Montageleistung genannt.

95 Prozent der befragten Installationsunternehmen empfehlen Kunden, vor dem Kauf das Gespräch mit einem Fachbetrieb zu suchen.

Dadurch lassen sich nicht nur technische Probleme vermeiden, sondern auch Fragen zu Kompatibilität, Gewährleistung und langfristiger Betriebssicherheit frühzeitig klären.

Reklamationen häufig durch Wasserschäden verursacht

43 Prozent der Betriebe, die Fremdprodukte montieren, berichten von Reklamationen oder Schäden, die auf die mangelnde Eignung des vom Kunden beigestellten Produktes zurückzuführen sind. Mit Abstand am häufigsten traten Wasserschäden auf (60 Prozent), gefolgt von Funktionsausfällen (26 Prozent). Elektrische Defekte sowie Folgeschäden an anderen Geräten machten jeweils 6 Prozent der genannten Schadensfälle aus.

In knapp sieben von zehn Fällen mussten die Kunden die Kosten für entstandene Schäden selbst tragen. Gleichzeitig schätzen die Installateure, dass vielen Auftraggebern diese Haftungsrisiken nicht ausreichend bewusst sind.

„Wasserschäden zählen zu den häufigsten und zugleich kostspieligsten Schäden. Die fachliche Beratung und Ausführung durch qualifizierte Installationsbetriebe bleiben daher wesentliche Faktoren für Sicherheit und Werterhalt. Dadurch werden Risiken reduziert und spätere Unklarheiten bei Haftungs- und Versicherungsfragen vermieden.“
—Werner Blaschke, Ressortleiter Firmengeschäft der VAV Versicherung 

Über die Studie

Im Zeitraum vom 14. April bis 5. Mai 2026 wurden österreichweit 200 Installateur-Betriebe telefonisch vom Marktforschungsunternehmen Telemark Marketing befragt. Die Auswahl der Unternehmen erfolgte zufällig und gewährleistet damit ein repräsentatives Bild der Branche. Die Studie wurde von der VAV Versicherung in Auftrag gegeben.