Iran-Krieg gefährdet die Konjunkturerholung

Die Wirtschaftsforscher von Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) senken ihre Konjunkturprognose für 2026 deutlich
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
Felbermayr, Gabriel
Felbermayr, Gabriel
© WIFO

Infolge des Iran-Krieges haben sich Rohöl und Erdgas stark verteuert. Zudem trübt die Unsicherheit über die Dauer und den weiteren Verlauf des Konfliktes das Investitionsklima in der EU. Dies wird auch die österreichische Industrie, die seit Jahren unter der schwachen Investitionsgüternachfrage leidet, in Mitleidenschaft ziehen. Die Inflationsrate dürfte trotz des Iran Krieges weiter zurückgehen, jedoch verlangsamt der jüngste Energiepreisanstieg den Rückgang. Die Arbeitslosenquote verharrt 2026 auf dem hohen Niveau des Vorjahres und wird erst 2027 sinken.

"Die Entwicklung der Rohöl- und Erdgaspreise ist sowohl für die Inflationsprognose als auch für den von den Unternehmen erwarteten Kostendruck entscheidend. Da der Iran-Krieg nicht prognostizierbare Preissprünge auslöst, hat sich das WIFO entschlossen, von unterschiedlichen Preisszenarien auszugehen."
—Marcus Scheiblecker - Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO)

Nach zwei Jahren der Rezession stieg Österreichs BIP 2025 wieder leicht um 0,6%. Vor allem um die Jahresmitte war eine deutliche Konjunkturbelebung festzustellen, die zum Jahresende allerdings wieder verebbte. Im IV. Quartal stagnierte die heimische Wirtschaftsleistung.

Die derzeit unsicheren internationalen Rahmenbedingungen erschweren eine Prognose. Die weitere Entwicklung der österreichischen Wirtschaft wird wesentlich davon abhängen, wie weit die Preise für Rohöl und Erdgas steigen werden und wie lange sie auf hohem Niveau verharren. Dies hängt wiederum vom nicht abschätzbaren Kriegsverlauf ab. Das WIFO hat sich daher dazu entschlossen, seine Prognose des BIP und anderer wichtiger Kennzahlen auf Basis dreier Szenarien zu erstellen:

  • Im optimistischen Szenario dauert der Iran-Krieg nur wenige Wochen. Die Infrastruktur der  Golfstaaten für die Förderung, Verarbeitung, Verladung und den Transport von Erdöl wird nicht nachhaltig beschädigt. Der Rohölpreis liegt bis Juni bei durchschnittlich 80 $ je Barrel und sinkt im III. Quartal 2026 auf 75 $. Der für die europäische Stromerzeugung relevante Erdgaspreis liegt bis Juni 2026 bei durchschnittlich 45 € je MWh und verringert sich nach Kriegsende stetig.
  • Im Hauptszenario ist der Iran-Krieg ebenfalls von kurzer Dauer, allerdings verteuern sich fossile Brennstoffe kräftiger als im optimistischen Szenario. Nach Kriegsende bilden sich die Preise kontinuierlich zurück.
  • Im pessimistischen Szenario dauern die Kampfhandlungen im Mittleren Osten noch bis  Ende des Sommers an und zerstören wichtige Infrastruktur, die erst wieder instandgesetzt werden muss. Der Rohölpreis steigt auf 120 $ je Barrel, verharrt bis September 2026 auf diesem hohen Niveau und unterschreitet erst Anfang 2027 wieder die Marke von 90 $. Der Erdgaspreis liegt bis Februar 2027 bei 70 € je MWh, da wichtige Produktionsanlagen zerstört sind, und bildet sich bis Jahresende langsam zurück.

Sowohl im optimistischen als auch im Hauptszenario setzt sich die Konjunkturerholung im laufenden Jahr fort. Im optimistischen Szenario ist 2026 mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,1% zu rechnen, im Hauptszenario um 0,9%. 2027 beschleunigt sich der Zuwachs auf 1,3% bzw. 1,5%. Damit bleibt das Wachstumstempo hinter jenem vergangener Aufschwungsphasen zurück.

Im pessimistischen Szenario wird der bislang beobachtete moderate Aufschwung jäh unterbrochen, wodurch das BIP 2026 um lediglich 0,2% zulegt (2027 +0,4%). Die in diesem Szenario unterstellten hohen Energiepreise belasten nicht nur die Produktion und die real verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte, sondern trüben auch die Stimmung in den Unternehmen und das Verbrauchervertrauen. Dies hat eine über reine Preiseffekte hinausreichende Dämpfung der Konjunktur zur Folge.