Jede europäische Stadt hat ihren eigenen Takt – das zeigen zwei Milliarden Fahrten mit dem Aufzug

Wien ist Europas „Frühaufsteher“: Die früheste durchschnittliche Fahrzeit am Morgen aller analysierten Städte. Höchster Anteil an Aufzugsfahrten zwischen 5:00 und 8:00 Uhr.
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
Jede europäische Stadt hat ihren eigenen Takt – das zeigen zwei Milliarden Fahrten mit dem Aufzug
© KONE

KONE, ein weltweit führendes Unternehmen in der Aufzugs- und Rolltreppenbranche, hat Daten von fast zwei Milliarden Aufzugsfahrten in 18 europäischen Städten aus den letzten 12 Monaten analysiert und bietet damit einen Echtzeit-Einblick in die Unterschiede, wie Städte arbeiten, sich erholen und Freizeit gestalten. Dabei wird der Druck auf die alternde Gebäudeinfrastruktur deutlich, sich an die sich wandelnden städtischen Aktivitätsmuster anzupassen.

KONE befördert täglich über zwei Milliarden Menschen mit seinen Anlagen weltweit. In einem wachsenden Netzwerk aus mit der Cloud vernetzten Aufzügen wird jede Fahrt zwischen den Etagen gezählt.

Karla Lindahl, EVP für Europa bei KONE, sagt: „Unsere neuesten Daten zeigen die vielfältigen Arten, wie Menschen Gebäude in europäischen Städten nutzen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie auf eine alte Gebäudeinfrastruktur angewiesen sind, von der der Großteil voraussichtlich auch im Jahr 2050 noch bestehen wird und die den sich ändernden oder weiterentwickelnden Gewohnheiten gerecht werden muss. Unsere Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Gebäude zu modernisieren, um den Bewohnern weiterhin Sicherheit, Komfort und Effizienz zu bieten und dazu beizutragen, dass Städte auch in Zukunft funktionieren."

Wien und Amsterdam: Die Lücke im Produktivitätsfenster

Wien verzeichnet den höchsten Anteil an Aufzugsfahrten zwischen 5 und 8 Uhr morgens sowie die früheste durchschnittliche Fahrzeit am Morgen aller analysierten Städte. Amsterdam befindet sich am anderen Ende des Spektrums. Die ersten Fahrten des Tages finden dort tendenziell später statt. Die durchschnittliche Aufzugsfahrt am Morgen erfolgt um 9:09 Uhr – eine der spätesten in Europa –, und die Stadt erreicht erst um 11 Uhr ein Viertel ihrer täglichen Aktivität.

Während die Europäer zunehmend nach unterschiedlichen Zeitplänen leben, arbeiten und ihre Freizeit gestalten, wurden die Gebäude, auf die sie angewiesen sind, größtenteils nach traditionellen Arbeitsmustern konzipiert. Da davon ausgegangen wird, dass der Großteil des europäischen Gebäudebestands bis 2050 weiterhin genutzt wird, wird die Modernisierung bestehender Gebäude an moderne Aktivitätsmuster von entscheidender Bedeutung sein.

Luxemburg und Barcelona: Zwei sehr unterschiedliche Produktivitätsmodelle

Luxemburg verzeichnet den ausgeprägtesten Mittagsansturm in Europa, wobei die Aufzugsaktivität um 43 % über den Werten der umliegenden Stunden liegt. In einer Stadt, in der 80 % der Fahrten in Bürogebäuden stattfinden, spielt die Mittagspause nach wie vor eine wichtige Rolle. Im Gegensatz dazu beginnt das Mittagessen in Barcelona später und dauert länger als irgendwo sonst in Europa. Die Aktivität erreicht um 14 Uhr ihren Höhepunkt und bleibt vier Stunden lang auf hohem Niveau.

Aufzugsfahrten: das städtische Aktivitätsmuster

„Technologische Fortschritte ermöglichen weiterhin eine schnellere Modernisierung von Aufzügen in Gebäuden, was den raschen städtischen Wandel vorantreibt. Wir können die unverzichtbare Aufzugsinfrastruktur mittlerweile in nur einer Woche modernisieren, um Beeinträchtigungen zu minimieren und den Aktivitätsrhythmus der Städte aufrechtzuerhalten,“ so Lindahl.

Im Gegensatz zu umfragebasierten Untersuchungen erfasst der Datensatz von KONE das Verhalten ohne Verzerrungen durch Selbstauskünfte und bietet somit einen Anhaltspunkt für städtische Aktivitäten, der herkömmliche Indikatoren ergänzt.

Weitere Ergebnisse der Erhebung im Überblick:

·        Manchester (Die Stadt nach Feierabend): Mehr als 4 % aller Aufzugsfahrten finden zwischen Mitternacht und 4 Uhr morgens statt – etwa doppelt so viel wie im europäischen Durchschnitt und der höchste Wert aller untersuchten Städte. Auch der Tagesrhythmus verläuft hier später als anderswo in Europa.

·        London (Der verlängerte Arbeitstag): Londons Bürogebäude sind die am längsten aktiven in Europa. 17 % aller Fahrten mit Büroaufzügen finden außerhalb der regulären Arbeitszeiten statt.

·        Oslo & Rom (Sonntags-Muster): Oslo ist sonntags der langsamste Starter in Europa (nur 7,2 % der Fahrten vor 10 Uhr). Rom bildet das direkte Spiegelbild mit fast 12 % der Fahrten am Sonntag vor 10 Uhr.

·        Brüssel (Die neue Form des Zuhauses): Die Nutzung von Aufzügen in Wohngebäuden liegt zur Mittagszeit leicht über den Pendler-Spitzenzeiten, was die anhaltende Bedeutung des Homeoffice unterstreicht.

·        Mailand & Stockholm (Saisonale Sommerpausen): In Mailand sinkt die Aufzugsnutzung im August um 53 % auf den Tiefstwert in Europa. Stockholm macht seine Sommerpause bereits im Juli (Rückgang um fast ein Drittel).

·        Paris & Hamburg (Ausgehabende): In Paris liegen Donnerstag- und Freitagabend nur 2 % auseinander. In Hamburg übertrifft der Aufzugsverkehr am Samstagabend das Niveau vom Freitag um 21 %.

·        München & Frankfurt (Beständigkeit): München spiegelt den europäischen Durchschnitts-Rhythmus am genauesten wider. Frankfurt weist die geringsten saisonalen Schwankungen auf und ist die vorhersehbarste Stadt.

·        Madrid (Wochenend-Auszeit): Nur 2,4 % der Fahrten mit Büroaufzügen finden am Wochenende statt – der niedrigste Wert in Europa und ein Zeichen klarer Trennung von Arbeit und Freizeit.

·        Helsinki (Rückkehr im August): Der Aktivitätsrückgang im Sommer liegt bei nur 6 %, weshalb der August in Helsinki bereits wieder den stärksten Monat der Rückkehr an den Arbeitsplatz markiert.

·        Kopenhagen (Die 9-bis-5-Hauptstadt): Kopenhagen hält am traditionellsten Arbeitsalltag mit den stärksten Pendler-Spitzen am Morgen und Abend fest.