Kaufkraft in Europa: Osteuropa holt kräftig auf

Bulgarien und Serbien verdoppeln beinahe ihre Kaufkraft, Österreich verliert an Dynamik
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Kaufkraft in Europa: Osteuropa holt kräftig auf
© RegioData

Europas Kaufkraftlandschaft verschiebt sich. Eine aktuelle Analyse von RegioData Research zeigt, dass zwischen 2020 und 2025 vor allem Länder in Mittel-, Ost- und Südosteuropa kräftig zulegen konnten. In einigen Märkten verdoppelte sich die nominelle Pro-Kopf-Kaufkraft innerhalb von fünf Jahren nahezu, während traditionell kaufkraftstarke Länder deutlich moderater wuchsen. Österreich liegt mit einem nominellen Plus von rund 25 % im Mittelfeld — real jedoch stagniert die Kaufkraft.

Aufholmärkte: Bulgarien und Serbien führen das Feld an

Die stärksten prozentuellen Zuwächse verzeichnen Länder, die von einem vergleichsweise niedrigen Ausgangsniveau starteten. Bulgarien steigerte seine in Euro gemessene Pro-Kopf-Kaufkraft zwischen 2020 und 2025 um 108 %, Serbien um 96 %. Polen folgt mit einem Plus von 76 %, Kroatien mit 50 %. Laut RegioData Research haben „Bulgarien und Serbien ihre in Euro gemessene Pro-Kopf-Kaufkraft innerhalb von fünf Jahren fast verdoppelt“ — selbst unter Berücksichtigung von Inflation und Währungseffekten eine bemerkenswerte Entwicklung.

Land Veränderung 2020–2025
Bulgarien + 108 %
Serbien + 96 %
Polen + 76 %
Kroatien + 50 %

Die Daten belegen einen deutlichen Aufholprozess innerhalb Europas. RegioData Research hält fest, dass „mittel-, ost- und südosteuropäische Märkte zunehmend an Kaufkraft gewinnen und somit auch Investitionsmöglichkeiten eröffnen, die im Westen weniger attraktiv sind“.

Etablierte Wohlstandsmärkte wachsen moderat

In den traditionell kaufkraftstarken Ländern fällt die Dynamik deutlich schwächer aus. In Dänemark stieg die nominelle Kaufkraft zwischen 2020 und 2025 um rund 20 %, in Norwegen und Finnland um jeweils etwa 23 %, in Schweden um rund 24 %. Die Schweiz kommt im selben Zeitraum auf einen Zuwachs von rund 27 %. Diese Werte liegen weit hinter den Wachstumsraten der dynamischen Märkte in Mittel- und Osteuropa.

Entscheidend bleibt dabei das Ausgangsniveau: Diese Länder starten bereits von einem hohen Kaufkraftsockel. Ein Kaufkraftrückgang lässt sich daraus nicht ableiten — die Zahlen spiegeln vielmehr wider, dass Länder mit niedrigerem Ausgangsniveau deutlich schneller aufholen.

Österreich: nominelles Plus, reales Nullwachstum

Österreich erreicht zwischen 2020 und 2025 einen nominellen Kaufkraftzuwachs von rund 25 %. Dieser Zuwachs wurde jedoch, so RegioData Research, „von der Inflation komplett aufgefressen“ — real ist die Kaufkraft damit nicht gestiegen. Im Nachbarland Deutschland fiel das nominelle Wachstum mit rund 26 % ähnlich aus, die Inflation war jedoch deutlich geringer, sodass real ein kleines Plus verbleibt.

Für Österreichs Position im europäischen Vergleich bedeutet das: Setzt sich diese Entwicklung fort, verringert sich der Kaufkraftabstand zu den dynamisch wachsenden Märkten Europas schrittweise.

Europas Kaufkraftgefüge verschiebt sich

Die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre zeigt eine zunehmende Konvergenz innerhalb Europas. Die höchsten prozentuellen Zuwächse konzentrieren sich nicht auf die ohnehin wohlhabendsten Staaten, sondern auf Länder mit niedrigerem Ausgangsniveau. Erhebliche absolute Unterschiede bestehen dennoch: Während die Pro-Kopf-Kaufkraft in der Schweiz umgerechnet über 50.000 Euro pro Jahr beträgt, liegt sie in Serbien unter 7.000 Euro. Die hohe Wachstumsdynamik in Teilen Mittel-, Ost- und Südosteuropas zeigt jedoch, dass sich die Gewichte langfristig verschieben.

Europas Kaufkraft wächst — aber mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Länder wie Bulgarien, Serbien, Kroatien und Polen holen mit großen Schritten auf und rücken damit als Investitionsstandorte stärker in den Fokus. Österreich wächst nominell, verliert real jedoch an Boden gegenüber den europäischen Spitzenreitern. Für Marktteilnehmer, die Expansionsentscheidungen in Europa treffen, liefert die RegioData-Analyse damit klare Orientierungspunkte.