Im niederösterreichischen Leobersdorf hat kosaplaner, ein österreichisches Büro für Architektur, Generalplanung sowie Bau- und Projektmanagement, für die BICO GmbH ein neues Firmenhauptquartier fertiggestellt. Das Ensemble aus eingeschoßigem Bürogebäude, Werkstatt und zweigeschoßiger Lagerhalle vereint funktionale Betriebsanforderungen mit einer klaren architektonischen Handschrift — und setzt dabei auf Holzmassivbau, thermische Bauteilaktivierung sowie eine Luft-Wasser-Wärmepumpe als zentrale Elemente des Haustechnikkonzepts.
Städtebauliches Konzept: Grundstück bestimmt die Struktur
Die Planung orientierte sich konsequent an den Gegebenheiten des Grundstücks. Entlang der westlichen Grundstücksgrenze verläuft ein als Grüngürtel gewidmeter Lärmschutzwall, an dem sämtliche Baukörper parallel ausgerichtet wurden. Diese Setzung erzeugt eine klare städtebauliche Struktur, nutzt den natürlichen Schallschutz und schafft zugleich eine prägnante Adresse zur Dammstraße.
Ein zurückversetzter, überdachter Eingangsbereich verbindet den südlich gelegenen Bürotrakt mit Werkstatt und Lagerhalle und fungiert als zentrale Erschließungsachse zum Freibereich. Die Zufahrt erfolgt über den Kreisverkehr der Dammstraße, deren Dimensionierung eine Anlieferung durch Sattelschlepper ermöglicht — ein betrieblich wesentlicher Faktor, der von Beginn an in die Planung einfloss.
Konstruktion und Materialität: Einheitliche Architektursprache
Büro, Werkstatt und Lager unterscheiden sich konstruktiv deutlich, folgen jedoch einem einheitlichen Material- und Gestaltungskonzept. Holz, großzügige Verglasungen und eine reduzierte Formensprache prägen das Erscheinungsbild des gesamten Ensembles.
Der Bürotrakt wurde in Holzmassivbauweise mit extensiv begrüntem Pultdach errichtet. Der weit auskragende Dachüberstand übernimmt den sommerlichen Sonnenschutz und rahmt zugleich eine Mitarbeiterterrasse mit angrenzendem Teich. Raumhohe Verglasungen und sichtbare Holzoberflächen sorgen im Inneren für helle Arbeitsplätze; Sanitärbereiche, Garderobe und Technikzonen wurden kompakt im Gebäudekern gebündelt, um die Büroflächen flexibel nutzbar zu halten.
Werkstatt und Lagerhalle entstanden als Skelettbau mit Stahlbeton- und Holzstützen sowie Holzträgern. Die Fassade kombiniert Holzverkleidung mit wärmegedämmten Sandwichpaneelen. Ein weit auskragendes Foliendach schützt die Zufahrt zur Lagerhalle vor Witterungseinflüssen und unterstützt einen reibungslosen Warenumschlag.
„Bei einem Betriebsgebäude wie diesem geht es nicht darum, Architektur über den laufenden Betrieb zu stellen, sondern beides gemeinsam zu denken. Gute Gewerbearchitektur entsteht dort, wo klare Konstruktion, ehrliche Materialien und intelligente Gebäudetechnik den Arbeitsalltag unterstützen und langfristig wirtschaftliche Lösungen schaffen.“—Ulrike Emminger, Geschäftsführung und Abteilungsleitung Hochbau bei kosaplaner
Gebäudetechnik: Bauteilaktivierung und Wärmepumpe im Gewerbebau
Als Spezialist für Heizungs-, Lüftungs- und Elektrotechnik sowie Energiemanagement stellte die BICO GmbH besonders hohe Anforderungen an das Haustechnikkonzept des eigenen Firmengebäudes. Die Wärmeversorgung erfolgt über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Im Bürotrakt regulieren Fußbodenheizung mit Einzelraumregelung und mechanische Komfortlüftung das Raumklima; im Sommer übernehmen Kühldecken die Temperierung der Büroräume.
Werkstatt und Lagerhalle werden über thermische Bauteilaktivierung beheizt und gekühlt — eine im Gewerbebau noch vergleichsweise selten konsequent eingesetzte Lösung, die stabile Temperaturen bei geringem Energieeinsatz ermöglicht. Lüftungsgerät und Wärmepumpe wurden auf dem Dach des zweigeschoßigen Baukörpers positioniert und bleiben dadurch von der Straße sowie von den Außenbereichen nahezu unsichtbar.
Eine Photovoltaikanlage erhöht den Eigenversorgungsgrad des Unternehmens. Im überdachten Carportbereich ergänzen E-Ladestationen das Energiekonzept und unterstützen die Elektromobilität des Fuhrparks sowie der Mitarbeitenden.
Betriebsabläufe: Logistik und Flächenorganisation
Insgesamt entstanden 28 Pkw-Stellplätze, elf davon überdacht. Der Werkstattbereich gliedert sich in die Bereiche Lüftungsbau, Elektrotechnik sowie mehrere Lagerzonen und ist direkt mit Sozialräumen, Garderoben und Sanitärbereichen verbunden. Im Obergeschoß stehen drei flexibel nutzbare Räume sowie ein Archiv für zukünftige Erweiterungen zur Verfügung. Das zentral angeordnete Lager wird über mehrere Sektionaltore erschlossen, was Anlieferung, interne Logistik und verschiedene Lagerbereiche effizient organisierbar macht.
„Mit unserem neuen Standort schaffen wir nicht nur mehr Platz, sondern ein Arbeitsumfeld, das unseren eigenen Qualitätsanspruch an Gebäudetechnik und Energieeffizienz widerspiegelt. Gleichzeitig bieten wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern moderne Arbeitsplätze und schaffen beste Voraussetzungen, um auch künftig qualifizierte Fachkräfte für unser Unternehmen zu gewinnen.“—Christoph Mahal, Geschäftsführer der BICO GmbH
Standortentwicklung: Gewerbebau als Qualitätssignal
Das Projekt in Leobersdorf verdeutlicht, dass Gewerbebauten heute weit mehr leisten können als reine Funktionalität. Architektur, Energieeffizienz und wirtschaftliche Betriebsabläufe wurden von Beginn an gemeinsam entwickelt. Für die BICO GmbH bedeutet der neue Standort kurze Wege zwischen Büro, Werkstatt und Lager, tageslichtdurchflutete Arbeitsplätze sowie witterungsunabhängige Betriebsabläufe. Für Gemeinden und Regionen signalisieren qualitativ hochwertige Betriebsstandorte dieser Art nachhaltige Investitionsbereitschaft und stärken die Attraktivität von Gewerbegebieten langfristig.