Nach einem turbulenten ersten Halbjahr 2026 wächst die Distanz der österreichischen Bevölkerung zu Bitcoin und Co. Nur noch knapp ein Viertel steht Kryptowährungen positiv gegenüber, die Investitionsbereitschaft fällt deutlich. Gleichzeitig sieht erstmals eine absolute Mehrheit mehr Nachteile als Vorteile. Das aktuelle Krypto-Barometer des Online Research Instituts Marketagent zeigt: Die Marktkorrektur hinterlässt auch in der öffentlichen Wahrnehmung Spuren.
Fact Box:
Das erste Halbjahr 2026 verlief für den Kryptomarkt schwierig. Die Turbulenzen am Markt spiegeln sich auch in den Einstellungen der Bevölkerung wider. Das verdeutlicht die aktuelle Auflage des Krypto-Barometers von Marketagent unter 1.634 Personen aus Österreich. Nachdem sich die zentralen Kennzahlen der repräsentativen Befragung im Jahr 2025 noch weitgehend stabil gezeigt hatten, weist die aktuelle Welle in Richtung wachsender Skepsis.
Nur ein Viertel steht Kryptowährungen positiv gegenüber
Nur jeder vierte Österreicher bzw. jede vierte Österreicherin (25%) steht Kryptowährungen sehr oder eher positiv gegenüber, während 44 Prozent eine ablehnende Haltung zeigen. Das restliche knappe Drittel gibt sich neutral (32%). Der Blick auf die Altersgruppen offenbart große Unterschiede zwischen den Generationen: Während 36 Prozent der Generation Z eine positive Einstellung zu Kryptowährungen zeigen, trifft das nur auf 15 Prozent der Babyboomer zu. Auch zwischen den Geschlechtern verläuft eine klare Trennlinie: Männer stehen Bitcoin und Co. mit 33 Prozent doppelt so häufig positiv gegenüber wie Frauen (16%).
Vertrauen und Wissen gehen zurück
Auch das Vertrauen in Kryptowährungen erleidet einen leichten Dämpfer. Aktuell empfindet nur ein Drittel der Befragten Bitcoin und Co. als sehr oder eher vertrauenswürdig (33%). Zwei Drittel stufen Kryptowährungen hingegen als eher weniger oder überhaupt nicht vertrauenswürdig ein (67%).
Gleichzeitig schätzt ebenfalls nur ein Drittel ihr eigenes Wissen über Kryptowährungen als sehr oder eher gut ein. Zwei Drittel fühlen sich weiterhin eher schlecht informiert. Des Weiteren empfinden sechs von zehn die Materie als komplex und technisch anspruchsvoll.
„Die Ergebnisse verdeutlichen ein grundsätzliches Akzeptanzproblem: Trotz jahrelanger medialer Präsenz und wachsender institutioneller Strukturen bleiben Kryptowährungen für viele Menschen in Österreich schwer verständlich und wenig vertrauenswürdig“, erklärt Andrea Berger, Research & Communications Manager bei Marketagent.
Deutlicher Rückgang bei der Investitionsbereitschaft
Am deutlichsten sichtbar wird die zunehmende Zurückhaltung bei der Frage nach einem möglichen Investment. Nur noch knapp vier von zehn (39%) können sich grundsätzlich vorstellen, in Kryptowährungen zu investieren. Im zweiten Halbjahr 2025 waren es noch 44 Prozent. Der Anteil jener, für die ein Investment eher oder überhaupt nicht infrage kommt, steigt entsprechend auf 61 Prozent.
Dabei bleibt der Markt stark von jüngeren, männlichen und finanziell besser gestellten Zielgruppen geprägt. Während sich jeder zweite Mann ein Krypto-Investment vorstellen kann, ist dies bei den Frauen nur bei rund jeder Vierten der Fall (27%). In der Generation Z liegt die Investitionsbereitschaft mit 52 Prozent ebenfalls deutlich über dem österreichweiten Schnitt.
Spannend: Im Vergleich zur Schweiz ist die österreichische Bevölkerung deutlich zurückhaltender: Dort können sich 49 Prozent ein Krypto-Investment vorstellen. Auch die positive Einstellung und das Vertrauen fallen bei den Schweizer Nachbar*innen höher aus.
Immobilien und Gold schlagen Kryptos
Wie begrenzt die Rolle digitaler Währungen als ernsthafte Anlagealternative weiterhin ist, zeigt ein hypothetisches Investment-Szenario: Bei einem verfügbaren Budget von einer Million Euro würden die Österreicher*innen im Durchschnitt nur rund 94.000 Euro in Kryptowährungen investieren. Das entspricht einem Anteil von 9,4 Prozent.
Bemerkenswert ist zudem, wie stark die vollständige Ablehnung zunimmt: Die Hälfte der Befragten (50%) würde keinen einzigen Euro in Kryptowährungen investieren. Im zweiten Halbjahr 2025 lag dieser Wert noch bei 43 Prozent. Der Anteil der Verweigerer ist somit um 7-Prozentpunkte gestiegen.
Am höchsten im Kurs stehen weiterhin traditionelle Anlageformen: Die mit Abstand größten Beträge würden in Immobilien mit durchschnittlich 378.000 Euro sowie in Gold und Edelmetalle mit 253.000 Euro fließen. Dahinter folgen Aktien und Wertpapiere mit 168.000 Euro und Anleihen mit 107.000 Euro.
Risikowahrnehmung dominiert
Die Investment-Zurückhaltung überrascht angesichts der wahrgenommenen Gefahren kaum. Mehr als zwei Drittel sehen Kryptowährungen aufgrund ihrer hohen Kursschwankungen als risikoreich an (67%). 64 Prozent verweisen auf die Anfälligkeit für Betrug und Cyberkriminalität, 62 Prozent auf Sicherheitsrisiken beim Verlust von Zugangsdaten.
Positive Eigenschaften finden deutlich weniger Zustimmung. 41 Prozent erkennen eine größere Unabhängigkeit, weil Kryptowährungen ohne Banken funktionieren. 36 Prozent betrachten sie als rentable Investitionsmöglichkeit und 28 Prozent als möglichen Inflationsschutz. Nur ein Viertel glaubt, dass sich Kryptowährungen langfristig als Zahlungsmethode durchsetzen werden.
In der Gesamtbetrachtung erreicht die Skepsis damit einen neuen Höchststand: Erstmals seit Erhebungsbeginn des Krypto-Barometers sieht eine absolute Mehrheit mehr Nachteile als Vorteile. Der Anteil steigt von 47 Prozent im ersten Halbjahr 2025 und 48 Prozent im zweiten Halbjahr 2025 auf aktuell 52 Prozent.
„Die Entwicklungen der letzten Monate zeigen, wie fragil die Akzeptanz von Kryptowährungen in der breiten Bevölkerung weiterhin ist. Solange die Kurse steigen, sorgen Bitcoin und Co. für Aufmerksamkeit. Bei einer längeren Korrektur treten jedoch sehr schnell die grundlegenden Vorbehalte wieder in den Vordergrund. Kryptowährungen sind in Österreich damit nach wie vor kein selbstverständlicher Bestandteil der privaten Geldanlage, sondern vor allem ein Thema für jüngere, risikoaffine und finanziell besser aufgestellte Zielgruppen“, so das Fazit von Thomas Schwabl, Gründer und Geschäftsführer von Marketagent.