Mehr Umzüge trotz weniger Bürofläche: Der österreichische Büromarkt befindet sich im strukturellen Wandel. Eine aktuelle Analyse vom Umzugs-Experten Frachtmeister zeigt, dass Unternehmen zwar häufiger umziehen aber in kleineren, komplexeren Projekten.
„Die Ansprüche von Unternehmen an Büroflächen ändern sich und damit auch jene an die Umzugsunternehmen.“—Lukas Minichmayr, Geschäftsführer von Frachtmeister
Während häufig vom „Ende des Büros” die Rede ist, zeigt eine aktuelle Marktanalyse des Wiener Umzugsunternehmens Frachtmeister ein anderes Bild: Die Zahl der Büroumzüge in Österreich steigt kontinuierlich. Gleichzeitig werden die Projekte kleiner, komplexer und stärker geplant.
Allein in Wien und Niederösterreich erhöhte sich die Anzahl der durchgeführten Büroumzüge von 775 Projekten im Jahr 2023 auf 893 im Jahr 2024 und weiter auf 945 im Jahr 2025 – eine Steigerung von rund 21 Prozent in recht kurzer Zeit. In den übrigen Bundesländern zeigt sich ein ähnlicher Trend. Hier stieg die Zahl der Umzüge im selben Zeitraum von 393 auf 509.
Wachstum anders als erwartet
Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass der Büromarkt schrumpft, zeigt sich laut Frachtmeister eine klare strukturelle Verschiebung.
„Der Markt wächst nicht über große Standortwechsel, sondern über eine steigende Anzahl kleinerer Projekte. Wir können erkennen, dass sich der Markt nicht abschwächt, sondern grundlegend verändert.”—Lukas Minichmay
Während früher größere, zusammenhängende Umzüge dominierten, verteilt sich das Marktvolumen heute auf viele kleinere Einheiten. Für vergleichbare Leistungsvolumina ist somit eine höhere Anzahl an Projekten erforderlich.
Treiber: Hybride Arbeit, Kostendruck und neue Bürokonzepte
Die Gründe für diese Entwicklung liegen vor allem in der veränderten Arbeitswelt.
„Unternehmen hinterfragen ihre Flächennutzung stärker und passen Bürostrukturen gezielt an neue Herausforderungen an. Auch hat die Etablierung von hybriden Arbeitsmodellen den Anspruch an den Arbeitsplatz grundlegend verändert.”—Lukas Minichmayr
Gleichzeitig gewinnt das Büro wieder an Bedeutung, allerdings mit neuer Funktion: Als Ort für Zusammenarbeit, Austausch und Unternehmenskultur. Statt Expansion stehen heute Flächenoptimierung, Konsolidierung und qualitative Aufwertung im Fokus. Hinzu kommen wirtschaftliche Faktoren: Steigende Kosten und unsichere Rahmenbedingungen führen dazu, dass Investitionen in den Unternehmenssitz sorgfältiger geprüft und stärker strategisch geplant werden.
Komplexität steigt deutlich
Mit der wachsenden Anzahl kleinerer Projekte steigt auch die operative Komplexität deutlich, Entscheidungsprozesse dauern länger, mehr Entscheidungsträger sind eingebunden und Anforderungen an Planung und Umsetzung nehmen zu. Das spiegelt sich in den Kennzahlen von Frachtmeister wider: Die Auslastung konnte von 88,42 Prozent im Jahr 2024 auf 88,91 Prozent im Jahr 2025 gesteigert werden, gleichzeitig nahm der Einsatz flexibler Ressourcen deutlich zu.
Besonders sichtbar wird die steigende Komplexität bei den Qualitätsanforderungen. Die Anzahl interner Audits wurde von rund 3.000 auf 5.500 im Jahr 2025 erhöht.
„Für das gleiche Leistungsvolumen braucht es heute deutlich mehr Projekte und jedes Projekt ist anspruchsvoller geworden.”—Lukas Minichmayr
Ausblick: Steigende Anforderungen
„Für die kommenden Jahre erwarten wir eine Fortsetzung dieser Entwicklung. Die Nachfrage bleibt stabil, während die Anforderungen an Flexibilität und individuelle Lösungen weiter steigen wird. Der Markt entwickelt sich weg von einem klassischen Transportangebot hin zu einem serviceorientierten Gesamtangebot, bei dem Anpassungsfähigkeit und das effiziente Umsetzen komplexer Projekte unabdingbar werden.”—Lukas Minichmayr