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"Nicht alle Märkte werden gleichermaßen von der „Made in Europe“-Politik profitieren."

Craig Wright kommentiert den EU Industrial Accelerator Act
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Craig Wright, Head of European Real Estate Research bei Aberdeen Investments
Craig Wright, Head of European Real Estate Research bei Aberdeen Investments
© (c) Aberdeen Investments

„Begriffe wie Nearshoring, strategische Autonomie und wirtschaftliche Souveränität standen selten so stark im Zentrum der europäischen Zukunftsdebatte wie heute. Der Industrial Accelerator Act stellt einen wichtigen Schritt dar, um diese Konzepte in konkrete Politik zu überführen. Indem die Nachfrage nach in der EU produzierten sauberen Industrieprodukten gestärkt und zugleich die Modernisierung energieintensiver Industrien beschleunigt wird, sendet das Gesetz das bislang deutlichste Signal, dass Europa seine Lieferketten sowie seine Energie-Resilienz zügig neu aufstellen will. Der Kontinent wird sich dadurch nicht über Nacht verändern. Doch durch planbare Nachfragebedingungen und den Abbau von Genehmigungsengpässen schafft der IAA die notwendige Dynamik, damit Europa die Herausforderung größerer wirtschaftlicher Resilienz schneller bewältigen kann.

Nicht alle Märkte werden gleichermaßen von der „Made in Europe“-Politik profitieren. Die kosteneffizienten Produktionsstandorte in Mittel- und Osteuropa, die großen Konsummärkte Westeuropas mit dichter Infrastruktur sowie strategische Standorte mit bestehender Expertise in der industriellen Fertigung dürften besonders profitieren. Peripherere und kostenintensivere Regionen wie die nordischen Länder könnten dagegen geringere Vorteile sehen.

Für den Immobiliensektor ist die Lücke besonders deutlich: Gegenwärtig fehlt es in Europa schlicht an der Art und Qualität von Industrieimmobilien, die für den Umfang dieser Transformation erforderlich wären. Für Investoren stellt dieses Angebotsdefizit jedoch eine klare Chance dar, gestützt durch robuste Nachfragefundamentaldaten und mit dem Potenzial, als Absicherung in einer zunehmend fragmentierten globalen Wirtschaft zu dienen.

Dass Japan und das Vereinigte Königreich in den Geltungsbereich des Gesetzes einbezogen werden, unterstreicht einerseits die Attraktivität der neuen europäischen Industriebeschleunigung. Andererseits zeigt es auch, wie wichtig strategische Partnerschaften in diesem Zusammenhang sind.“

-Craig Wright, Head of European Real Estate Research bei Aberdeen Investments