Der Immobilienmarkt im Waldviertel zeigt sich im ersten Halbjahr 2026 deutlich stabiler als in den Vorjahren. Transaktionsanzahl und -volumen bewegen sich auf Vorjahresniveau, die Preise für Einfamilienhäuser und Grundstücke ziehen spürbar an. Gleichzeitig trifft eine wachsende Nachfrage auf ein strukturell knappes Angebot – insbesondere bei Bestandsobjekten in gutem Zustand. Gemeinden, Immobilienexpert:innen und regionale Akteure stehen vor der Aufgabe, dieses Ungleichgewicht zu adressieren.
Transaktionen und Preise: Markt erholt sich nach Einbruch
Im Jahr 2025 wurden im Waldviertel 1.855 Immobilien mit einem Gesamtvolumen von € 196 Mio. gehandelt – eine leichte Steigerung gegenüber 2024, wenngleich deutlich unter den Werten der Boomjahre 2021 und 2022. Im ersten Halbjahr 2026 setzt sich dieser Trend fort: 642 Transaktionen mit einem Volumen von € 53 Mio. stehen 650 Verkäufen und € 52 Mio. im Vergleichszeitraum des Vorjahres gegenüber.
„Der Immobilienmarkt im Waldviertel zeigt sich insgesamt wieder freundlicher. Allerdings trifft eine aktuell wieder steigende Nachfrage auf stagnierendes Angebot, insbesondere bei neuen Immobilien.“—Peter Weinberger, Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien NÖ/Wien/Burgenland
Die Preisentwicklung bestätigt die Markterholung. Nach dem Preisrückgang der Jahre 2023 und 2024 – verursacht durch gestiegene Zinsen und verschärfte Kreditvergabevorschriften – kletterte der Quadratmeterpreis für Einfamilienhäuser 2025 auf rund € 2.300/m², ein Plus von 27 % gegenüber 2024 (€ 1.800/m²). Grundstücke verteuerten sich von durchschnittlich € 20 auf € 26 je Quadratmeter.
„Die Grundstückspreise haben damit das Niveau des Boom-Jahres 2022 beinahe wieder erreicht, als der Quadratmeter bis zu € 30 kostete. Bei den Häuserpreisen ist noch Luft nach oben, hier wurden in den Corona-Jahren 2021 und 2022 bis zu € 2.600 je m² bezahlt.“—Peter Weinberger
Lediglich Wohnungen gaben im Jahresvergleich nach: Der Quadratmeterpreis sank von € 2.700 (2024) auf rund € 2.400 (2025).
Klimaflucht befeuert Nachfrage nach Bestandsobjekten
Auch während der Hitzewellen des Sommers 2026 verzeichnete Raiffeisen Immobilien unvermindert hohes Interesse.
„Menschen aus den Ballungszentren entdecken das klimatisch angenehmere Waldviertel wieder verstärkt für sich. Dazu zählen sowohl Interessent:innen an einem Zweitwohnsitz als auch Best Ager, die hier einen attraktiven Wohnort für ihren nächsten Lebensabschnitt finden wollen.“—Peter Weinberger
Gefragt sind vor allem kleine bis mittelgroße Landhäuser bis 150/170 m². Das Angebot an solchen Objekten in gutem Bauzustand ist jedoch knapp.
Angesichts stark gestiegener Baukosten rücken Bestandsobjekte als Alternative zum Neubau in den Vordergrund. Wo nötig, werden diese schrittweise saniert – ein Segment, in dem das Waldviertel laut Raiffeisen Immobilien mit einem breiten Angebot an vergleichsweise günstigen Handwerksbetrieben punktet. Best Ager akzeptieren dabei zunehmend auch Objekte in Randlagen, da die Notwendigkeit des täglichen Pendelns nach Wien entfällt.
Wanderungsbilanz positiv – Geburtenbilanz belastet Bevölkerungsentwicklung
Das Waldviertel verzeichnet laut Statistik Austria auch im vergangenen Jahr eine positive Wanderungsbilanz: 5.285 Personen gründeten ihren Hauptwohnsitz in der NUTS3-Region, darunter 1.269 aus Wien und 542 aus dem Wiener Umland. Per Saldo zogen 329 Personen mehr zu als weg. Alle Bezirke – Gmünd, Horn, Krems Land, Waidhofen an der Thaya sowie die Stadt Krems – wiesen positive Wanderungssalden aus; lediglich der Bezirk Zwettl verzeichnete ein leichtes Minus von 97 Personen.
Die Geburtenbilanz bleibt hingegen negativ: 1.519 Geburten stehen 2.571 Sterbefällen gegenüber, was ein Minus von 1.052 ergibt. Die Zuwanderung kompensiert diesen Rückgang nicht vollständig.
„Die stärkste Gruppe der Menschen, die zuziehen, ist zwischen 20 und 37 Jahre alt und bringt oftmals Familie mit bzw. möchte in naher Zukunft eine Familie gründen. Neben dem noch leistbaren Wohnraum und der enormen Lebensqualität ist es das Thema Sicherheit, das die Menschen überzeugt.“—Regionalentwickler Josef Wallenberger
Gemeint sind finanzielle Sicherheit durch leistbares Wohnen, berufliche Sicherheit, Versorgungssicherheit sowie allgemeine Stabilität. Seit Projektstart des Vereins Interkomm wurden insgesamt 88.953 Hauptwohnsitze im Waldviertel gegründet.
Neue Wohnformen als Antwort auf Angebotsknappheit
Die Nachfrage nach Wohnraum übersteigt das verfügbare Angebot strukturell. Als Reaktion darauf gewinnen innovative Nutzungskonzepte im Bestand an Bedeutung. Immer mehr Hausbesitzer teilen großflächige Einfamilienhäuser in mehrere Wohneinheiten mit getrennten Eingängen auf, verbleiben selbst im Objekt und vermieten die zusätzlichen Einheiten. Im Zuge solcher Umbauten werden häufig Barrierefreiheit, Energieeffizienz und Wohnkomfort verbessert. Auch ehemalige Gasthäuser werden erfolgreich zu Wohnraum umgenutzt.
Einliegerwohnungen eröffnen darüber hinaus Möglichkeiten für generationenübergreifendes Wohnen sowie für leistbaren Wohnraum für junge Menschen.
„Die Zukunft vieler alter Häuser entscheidet sich nicht allein an der Bausubstanz, sondern auch an unserer Fähigkeit, Wohnen neu zu denken.“—Josef Wallenberger
Infrastruktur für den Markt
Raiffeisen Immobilien bietet Suchenden ab sofort ein exklusives Vormerkservice: Vorgemerkte Kunden erhalten individuell abgestimmte Immobilienangebote 48 Stunden vor der Veröffentlichung auf raiffeisen-immobilien.at und den gängigen Immobilienportalen.
Der Verein Interkomm – mit 66 Mitgliedsgemeinden – bündelt auf der Plattform www.wohnen-im-waldviertel.at Informationen zu Immobilien, Baugründen, Arbeitsmarkt, Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung und Freizeitangeboten. Über die Website können Eigentümer kostenfreie Inserate für Verkauf oder Vermietung schalten.
„Zuzug ist und bleibt wichtig für das Waldviertel! Daher möchten wir das Waldviertel und das Lebensgefühl hier sichtbar machen und zeigen, wie modernes Leben in der Region tatsächlich aussieht!“ Sowohl Interkomm als auch Raiffeisen Immobilien verfolgen das Ziel, Eigentümer:innen leerstehender Objekte und Baulücken mit Wohnraum- und Geschäftsflächensuchenden zu vernetzen.—Interkomm-Obmann Bürgermeister Patrick Layr aus Weitra
Die strukturelle Herausforderung bleibt bestehen: Solange das Angebot an marktfähigen Bestandsobjekten nicht wächst, wird die positive Nachfragedynamik im Waldviertel nur begrenzt in tatsächliche Transaktionen münden. Die Mobilisierung ungenutzter Immobilien – durch Verkauf, Vermietung oder Umnutzung – bleibt damit die zentrale Stellschraube für die weitere Marktentwicklung.