Smarter Sonnenschutz am Bundesverfassungsgericht

Klimaresilienz im Bestand durch intelligente Nachrüstung von Somfy
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
Bundesvefassungsgericht Karlsruhe
Bundesvefassungsgericht Karlsruhe
© Atelier Dirk Altenkirch/Somfy

Architektonisch wie funktional ist das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) in Karlsruhe ein Ort für transparente Demokratie. Der Erweiterungsbau von Michael Schrölkamp aus dem Jahr 2007 setzt auf Licht sowie Offenheit und denkt die Gebäudehülle von Beginn an als aktives Klimasystem: eine zweischalige Fassade, pergolaartige Begrünungen als Sicht- und Sonnenschutz, automatisch gesteuerte Raffstoren sowie eine exakt abgestimmte Tageslichtführung. In diesem Zusammenspiel übernimmt die Sonnenschutzsteuerung eine zentrale Rolle.

Nach rund achtzehn Jahren Betrieb war die ursprüngliche Anlage im Erweiterungsbau 2025 irreparabel defekt. Die Verantwortlichen standen vor einer typischen Aufgabenstellung im Gebäudebetrieb: Es bedurfte einer neuen Steuerungsanlage, die sich ohne großen Planungs- und Installationsaufwand realisieren ließ. Die Entscheidung fiel auf das System animeo IB+ TouchBuco von Somfy, das die spezifischen Anforderungen des Bürobaus präzise erfüllt.

Nachrüsten ohne Neuverkabelung

Kernanforderung war eine Nachrüstung ohne Neuverkabelung. Mit der Somfy-Lösung konnte die vorhandene Infrastruktur weitgehend erhalten bleiben. Die zweiadrige IB+-Steuerleitung ermöglichte die Nachrüstung ohne tiefgreifende Eingriffe in die Bestandsinstallation. Ausgetauscht wurden lediglich die zentrale TouchBuco-Steuereinheit und die erforderlichen Output Converter als Schnittstelle zu den vorhandenen Komponenten. Dadurch ließ sich die Anlage mit geringem Aufwand und überschaubaren Kosten technisch modernisieren und nachhaltig weiterbetreiben.

Zentral gesteuert, individuell nutzbar

Die neue Sonnenschutzzentrale steuert die Raffstoren in Verbindung mit einer Wetterstation auf dem Dach und dezentralen 4-fach-Motorcontrollern auf Basis von Sonnenstand, Außentemperatur, Windgeschwindigkeit und -richtung sowie Niederschlag. Die Steuerungsarchitektur folgt einem zweigliedrigen Prinzip: Raffstoren in Aufenthaltsräumen, der Kantine und im Treppenhaus werden zentral über den Schaltschrank und 8-fach-Taster geregelt. Die Büros hingegen erhielten eine dezentrale Lösung mit Aufputz-Wandtastern, die jeweils vier Behänge bedienen. So lässt sich der Sonnenschutz in den Arbeitsräumen individuell anpassen, während die Gemeinschaftsflächen zuverlässig und ohne manuellen Eingriff beschattet werden. Das Touch-Display der Zentrale bietet eine intuitive Bedienung und Übersicht über alle Zonen. Steuerung und Instandhaltung erfordern keine Spezialkenntnisse und lassen sich effizient in die Abläufe des Facility Managements integrieren.

Tageslichtführung im künstlerisch gestalteten Treppenhaus

Eine besondere Rolle spielt das Treppenhaus. Ein Kunst-am-Bau-Beitrag der Karlsruher Künstlerin Stefanie Lampert prägt den Raum mit einem lichtabhängigen Farbrelief – rechteckige Farbfelder in Gelb, Grau und Grün, die ihre Wirkung mit dem einfallenden Tageslicht verändern. Per Funksender lassen sich Lichteinfall und Beschattung manuell steuern und gezielt auf die Wirkung des Reliefs abstimmen.   

Architektur und Steuerung im Zusammenspiel

Alle vierzig Büros der wissenschaftlichen Mitarbeiter sind in zwei Obergeschossen zum Botanischen Garten hin ausgerichtet. Das markanteste Gestaltungselement ist das pergolaähnliche Stahlgerüst an der Nordwest-Fassade, bepflanzt u.a. mit Zwergkiefern, Weißdorn und Bambus als vertikaler Schutz vor direkter Einsicht und Sonneneinstrahlung. Architektur und Somfy-Steuerung greifen so ineinander, dass der Bestand auch unter veränderten Klimabedingungen optimal funktioniert. Wenn Gebäudehülle, Verschattung und Lichtführung zusammen gedacht werden, sind Arbeitsatmosphäre, Nutzungskomfort und Energieeffizienz dauerhaft stimmig