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Stopp dem Datencenter-Boom: GLOBAL 2000 fordert sofortigen Baustopp

Hannah Keller (GLOBAL 2000): Für alle Rechenzentren soll eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) verpflichtend werden
Michael Neubauer
Michael Neubauer
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© AdobeStock

Kreide-Kunstwerke vor dem Parlament, dem Bundeskanzleramt und zahlreichen Wahrzeichen Wiens: Mit dieser Aktion macht die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 am internationalen Aktionstag „Stop Dirty Data Centers" auf ein wachsendes Problem aufmerksam. In Österreich entstehen gerade mehrere große Rechenzentren – gebaut oder genehmigt. GLOBAL 2000 verlangt einen sofortigen Stopp: kein neues Rechenzentrum soll geplant oder gebaut werden, bis klare Regeln gelten.

„Rechenzentren verbrauchen Unmengen an Wasser und Strom. Für den Bau werden riesige Flächen versiegelt. Das sind Böden, die landwirtschaftlich genutzt werden können, die Lebensraum für Ökosysteme bieten und uns im Kampf gegen die Klimakrise unterstützen.“
—Hannah Keller, Klima- und Energiesprecherin von GLOBAL 2000

Für die Menschen, die in der Nähe solcher Anlagen leben, bringt das kaum Vorteile – dafür aber viele Nachteile. Keller listet auf: „Rechenzentren haben für Menschen vor Ort nur Nachteile. Jobs entstehen meist kaum, es kommt aber zu Lärmbelastung, Umgebungserwärmung durch die Abwärme, Chemikalieneinträge in die Umwelt, höheren Strompreisen durch gesteigerte Nachfrage und natürlich auch zur Versiegelung von Flächen die vorher teils für die Bevölkerung nutzbar waren.“ Und sie ergänzt: „Man findet unzählige Berichte aus der ganzen Welt, in denen betroffene Menschen erzählen, welche Auswirkungen naheliegende Rechenzentren auf ihre Lebensqualität haben. Berichte davon, wie gerne Menschen ihr 'Rechenzentrum nebenan' haben, sucht man allerdings vergeblich.“

Widerstand wächst – in Österreich und weltweit

Das Thema bewegt Menschen weit über Österreich hinaus. Bei den US-Midterm-Wahlen nannten laut einem Exit Poll mehr als die Hälfte aller Wählerinnen und Wähler den Ausbau von Rechenzentren als wichtigen Faktor bei ihrer Wahlentscheidung. 40 von 41 Maßnahmen, die in verschiedenen US-Bundesstaaten gegen den weiteren Ausbau zur Abstimmung standen, wurden angenommen. Kandidatinnen und Kandidaten, die sich gegen den Ausbau und gegen große Technologiekonzerne positionierten, fuhren landesweit Erfolge ein.

Was GLOBAL 2000 konkret fordert

Die Organisation stellt klare politische Forderungen. Keller fasst zusammen: „Unsere Forderungen sind klar: Menschen und Umwelt müssen Vorrang vor Konzerninteressen haben.“ Das bedeutet konkret: Für alle Rechenzentren soll eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) verpflichtend werden – also ein gesetzlich geregeltes Verfahren, das die Auswirkungen auf Mensch und Natur prüft, bevor ein Projekt startet. Die Schwellenwerte, ab denen eine solche Prüfung greift, sollen niedrig angesetzt werden.

Darüber hinaus fordert GLOBAL 2000 eine nationale Strategie, die regelt, wer, wann, wo, wie, wofür und wie viel ausbauen darf. Keller betont: „Wenn wir souveräne digitale Infrastruktur wollen, dann dürfen wir mögliche Standorte nicht an internationale Konzerne verkaufen.“ Nach dem Vorbild einiger US-Bundesstaaten verlangt die Organisation einen totalen Bau- und Genehmigungsstopp für alle Rechenzentren – so lange, bis sämtliche rechtlichen Fragen geklärt sind.

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