Warum Klimaanlagen allein unsere Städte nicht retten werden

DAVE: Deutschland reagiert auf Hitzewellen mit Klimaanlagen, statt mit Strategien für hitzeresiliente Gebäude und Städte
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
ÖGNI Positionspapier
ÖGNI Positionspapier
© Christian Fürthner

Deutschland erlebt immer häufiger und länger anhaltende Hitzewellen. Die Reaktion darauf fällt bislang jedoch vor allem technisch aus. Immer mehr Neubauten werden mit Klimaanlagen ausgestattet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verfügten 2025 bereits 4,3 Prozent der fertiggestellten Wohngebäude über eine Anlage zur Kühlung, mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. Für die Immobilienexperten von DAVE (Deutsche Anlage-Immobilien Verbund ) ist das jedoch keine nachhaltige Antwort auf den Klimawandel.

„Deutschland hat bislang keine nationale Strategie dafür, wie Gebäude und Städte langfristig hitzeresilient werden sollen. Stattdessen diskutieren wir aktuell vor allem über Klimaanlagen. Das greift viel zu kurz.“
—René Husfeldt - Geschäftsführer von DAVE

Kühlung muss Teil eines Gesamtsystems werden

Nach Auffassung des Immobiliennetzwerks muss Hitzeschutz künftig integraler Bestandteil der Stadtentwicklung werden. Gebäude, Energieversorgung, Stromnetze, Begrünung und Wassermanagement müssten gemeinsam gedacht werden. Denn der flächendeckende Einsatz von Klimageräten verschiebe das Problem lediglich. „Wenn an heißen Sommertagen Millionen Klimageräte gleichzeitig laufen, steigt der Strombedarf genau dann massiv an, wenn unsere Energie- und Verteilnetze ohnehin stark belastet sind. Kühlung darf deshalb niemals isoliert betrachtet werden, sondern muss Teil eines intelligenten Gesamtsystems sein“, erklärt DAVE-Partner Daniel Triffterer.

Eigentliche Herausforderung liegt im Bestand

Eine zentrale Rolle spielt aus Sicht von DAVE der Gebäudebestand. Der überwiegende Teil der Gebäude, in denen die Menschen in 20 oder 30 Jahren wohnen und arbeiten werden, steht bereits heute. Während sich im Neubau Hitzeschutz durch Niedrigenergiekonzepte, Betonkernaktivierung, Kühldecken oder modulare Bauweisen frühzeitig integrieren lässt, muss der Bestand intelligent und wirtschaftlich nachgerüstet werden.

„Die eigentliche Transformation findet nicht im Neubau statt, sondern in Millionen bestehender Wohnungen und Gebäude. Dort entscheidet sich, ob unsere Städte künftig auch im Sommer lebenswert bleiben.“
—Wieland Münch - DAVE-Partner

Klimaanlagen sind nur ein Baustein

DAVE warnt davor, Hitzeschutz auf den Einbau von Klimaanlagen zu reduzieren. Oft seien außenliegender Sonnenschutz, intelligente Fassaden, Dach- und Fassadenbegrünung, hochwertige Fenster oder die gezielte Kühlung einzelner Räume deutlich effizienter und wirtschaftlicher. „Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass jedes Problem mit einer Klimaanlage gelöst werden kann. Gerade im Bestand braucht es einen intelligenten Mix aus baulichem Hitzeschutz, Verschattung, Begrünung und effizienter Technik“, so Husfeldt.

Stromnetze und Photovoltaik mitdenken

Zugleich muss der steigende Kühlbedarf in die Energieplanung einbezogen werden. Klimageräte benötigen besonders dann viel Strom, wenn die Sonne am stärksten scheint. Photovoltaikanlagen liefern zu diesen Zeiten zwar hohe Erträge, doch ohne intelligente Netze, Speicherlösungen und Lastmanagement können zusätzliche Verbrauchsspitzen entstehen. „Der Energiebedarf für Kühlung wird deutlich steigen. Deshalb müssen wir Gebäude stärker als Teil der Energieinfrastruktur verstehen“, so Triffterer.

Politische Rahmenbedingungen modernisieren

DAVE fordert zudem bessere Rahmenbedingungen für Modernisierungen im Bestand. Eigentümergemeinschaften sollten energetische Maßnahmen und den Einbau effizienter Split-Klimageräte künftig einfacher beschließen können. „Wir brauchen weniger bürokratische Hürden und mehr Planungssicherheit. Hitzeschutz muss genauso selbstverständlich werden wie energetische Sanierung oder Barrierefreiheit“, meint Husfeldt.

Hitzeschutz wird zum Standortfaktor

Für DAVE steht fest: Entscheidend wird sein, welche Städte ihre Gebäude, Quartiere und Energieversorgung so weiterentwickeln, dass sie auch bei zunehmenden Hitzewellen funktionieren. Hitzeschutz werde damit zu einem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Standortfaktor. „Die Kommunen, die heute ganzheitliche Strategien entwickeln, werden morgen die lebenswerteren und wirtschaftlich stärkeren Städte sein“, fasst Münch zusammen.