WETgruppe startet Pilotprojekt für gemeinschaftliche PV-Stromnutzung im Wohnbau

LR Teschl-Hofmeister: „Nachhaltige dezentrale Energieversorgung“
Dagmar Gordon
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Solar
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© Adobe Stock/electriceye

Die WETgruppe setzt gemeinsam mit dem ÖKOSTROM.KOLLEKTIV eGen einen neuen Meilenstein in der nachhaltigen Energieversorgung im gemeinnützigen Wohnbau. Als größte gemeinnützige Bauvereinigung in Niederösterreich startet das Unternehmen ein Pilotprojekt zur gemeinschaftlichen Nutzung von Photovoltaikstrom in Wohnhausanlagen. Gemeinsam mit Wohnbau-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister stellten Christian Rädler, Geschäftsführer der WETgruppe, sowie Anton Hechtl und Matthias Zawichowski vom ÖKOSTROM.KOLLEKTIV eGen, das Projekt am heutigen Montag im Rahmen einer Pressekonferenz vor.

 „Auch im geförderten Wohnbau setzen wir seit vielen Jahren ganz konsequent Maßnahmen, die ökologische Verantwortung gleichzeitig mit sozialer Leistbarkeit vereinbaren sollen“, führte Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister aus, dass „ökologisch und leistbar“ wie ein Widerspruch klinge, es in den meisten Fällen aber keiner sei.

„Ein bedeutender Schritt war, dass wir im geförderten Wohnbau das erste Bundesland waren, das den Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen umgesetzt hat“, betonte Teschl-Hofmeister, dass diese Entscheidung „klimapolitisch motiviert“, aber auch „energiepolitisch vorausschauend“ gewesen sei, denn die jetzigen geopolitischen Herausforderungen, Krisen und Kriege würden uns einmal mehr deutlich vor Augen halten, dass Abhängigkeit von fossilen Energieimporten uns nicht guttue. „Im Eigenheimbereich fördern wir aktiv den Umstieg auf erneuerbare Energien“, betonte die Landesrätin dabei den Heizkesseltausch als „langjähriges und zentrales Instrument“. Der Trend setze sich durch, auf bessere Heizmöglichkeiten wie Wärmepumpen, Biomasse oder Fernwärme umzusteigen.

Die Landesrätin sprach von einer „gezielten Förderpolitik“, einer „gezielten Beratung“ und einem „wachsenden Bewusstsein der Bevölkerung“. „Der Wandel ist möglich und schon im Gange“, führte Teschl-Hofmeister aus, dass die Abhängigkeit und massiven Preissteigerungen die Menschen belasten und, dass man deshalb einen Schritt weitergehe – nämlich „aus der Abhängigkeit in Richtung erneuerbare Energiequellen“. Man wolle in Zeiten steigender Preise und, wo es darum gehe, möglichst viel CO2 einzusparen eine „nachhaltige dezentrale Energieversorgung“. Die Landesrätin bedankte sich bei der WETgruppe stellvertretend für die gemeinnützigen Bauträger in Niederösterreich das Land in seinen Bestrebungen als langjährige Partner zu unterstützen. „Die gemeinnützigen Wohnbauträger sind mutig, wenn es darum geht, neue Projekte zu initiieren“, und dieses Pilotprojekt gehe in Richtung Zukunft, betonte Teschl-Hofmeister, dass man damit den Mieterinnen und Mietern das Leben erleichtern wolle.

"Im Pilotprojekt der WETgruppe mit ÖKOSTROM.KOLLEKTIV eGen wurde eine Wohnhausanlage in Statzendorf mit Photovoltaik ausgestattet und in einer Gemeinschaftlichen Erzeugungsanlage (GEA) zusammengefasst. Wir haben keine neue Technologie erfunden, aber wir haben ein Vehikel geschaffen, das eine einfache Abwicklung von regional erzeugtem Strom ermöglicht zum Vorteil der Mieterinnen und Mieter“.
—Christian Rädler - Geschäftsführer der WETgruppe

Mit dem Projekt wolle man der Vorreiterrolle, die man im Bereich Nachhaltigkeit eingenommen habe, gerecht werden. Ein wesentlicher Aspekt der Nachhaltigkeitsstrategie der WETgruppe sei „der sorgsame und nachhaltige Umgang mit unserem Energiemix“, nannte Rädler die beiden Themen Heizen und Stromproduktion. Das Ziel heim Heizen sei es bis 2030 den Anteil an Gas durch Heizungstausch und Sanierung von 50 auf 30 Prozent zu reduzieren. Beim präsentierten Pilotprojekt gehe es um „eine regionale Stromproduktion und damit um eine Entlastung der Netze“. Man habe die Kräfte gebündelt: Die WETgruppe baue Wohnungen und errichte die Anlage, die ÖKOSTROM.KOLLEKTIV eGen als Partner mache den Betrieb der Anlage, die Abrechnung und die Organisation der Gemeinschaftlichen Erzeugungsanlage. „Die Bewohnerinnen und Bewohner profitieren vom günstigen Strom, der direkt aus der PV-Anlage kommt“, führte Rädler aus, dass derzeit der regional erzeugte Strom um 16 Cent netto an die Mieterinnen und Mieter geliefert werden könne – das sei „deutlich unter dem derzeitigen Marktwert.

Die WETgruppe habe 1.200 Gebäude in ganz Ost-Österreich. „In einem ersten Schritt wollen wir sehr kurzfristig noch heuer beginnend 30 weitere Objekte genauso wie Statzendorf von klein bis groß in GEA’s umwandeln und für die regionalen Mieterinnen und Mieter regionalen Strom anbieten“, sagte Rädler, dass auf lange Sicht auch die 100 Bestandsanlagen, die man habe, in GEAs umgewandelt werden sollen.

Anton Hechtl, Geschäftsführer vom ÖKOSTROM.KOLLEKTIV eGen, betonte ebenfalls die Vorreiterrolle, die man im Bereich Nachhaltigkeit eingenommen habe. „Wir wollen den CO2-Fußabdruck verbessern.“ Erreichen wolle man, günstiger als der Marktstrom zu sein und dabei habe der Gesetzgeber geholfen, weil man in der GEA keine Netzentgelte bezahle. „Uns ist es ein Anliegen, Strom regional zu produzieren und zu verbrauchen“, so Hechtl. „Unser Strompreis ist unabhängig. Es ist eine Absicherung für steigende Energiepreise“, führte Hechtl aus, dass man wisse, was die Anlage zum Zeitpunkt der Installation koste und, daher wisse man auch, wie hoch der Strompreis in den nächsten Jahren sein werde. „Es gibt eine gewisse Versorgungssicherheit“, führte er aus, dass man natürlich nur dann Strom liefern könne, wenn die PV-Anlage Strom produziere. „Den Strom, den die Mieter oder Eigentümer in den Anlagen nicht verbrauchen, der wird wie bisher an den Netzbetreiber geliefert.“ Hechtl betonte auch die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls: „Strom wird gemeinsam genutzt und der Nutzen wird gemeinsam geteilt.“

Matthias Zawichowski vom ÖKOSTROM.KOLLEKTIV eGen, führte aus, dass man auf Bestandsanlagen gehe und nichts Neues baue: „Wir machen den Bestand effizienter.“ Es sei wichtig, die alten Anlagen neu zu organisieren. „Der Gesetzgeber ermöglicht es uns, die alten Anlagen so zu organisieren, dass der Strom direkt in die Wohneinheit fließt und dort auch abgerechnet werden kann“, betonte er, dass man damit die Netze nicht belaste. Dadurch, dass man die Netze entlaste, werde man vom Gesetzgeber belohnt, dass man keine Netzentgelte, keine Abgaben und Gebühren den Konsumentinnen und Konsumenten verrechnen müsse und deswegen seien in Summe diese 16 Cent deutlich günstiger als der Endkonsumentenpreis für alle Verbraucherinnen und Verbraucher derzeit.