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Rund 2,76 Millionen Gebäude stehen in Österreich, ein Großteil davon wird auch 2050 noch genutzt werden. Knapp vier von fünf sind Wohngebäude, davon rund drei Viertel Einfamilienhäuser (Statistik Austria 2026). Ob Klimaziele erreicht und Werte gesichert werden, entscheidet sich daher zu einem großen Teil im Bestand. Im Rahmen ihres 16. Kongresses unter dem Motto „Der Bestand als Business Case“ veröffentlicht die IG Lebenszyklus Bau neun neue Leitfäden, die zeigen, wie sich Gebäudeportfolios strategisch und klimafit steuern lassen, welche Geschäftsmodelle Werte über den Lebenszyklus erhalten und wie neue Nutzungen – etwa am Beispiel von Parkgaragen – neue Potenziale aufzeigen. Weitere Schwerpunkte sind die digitale Bestandserfassung, technische Lösungen und Rechtssicherheit für wiederverwendete Bauteile, partnerschaftliche Projektmodelle, die Projektvorbereitung bei Sanierungen sowie der Weg zum erfolgreiche Business Case im Bestand. Alle Publikationen stehen kostenfrei im neu aufbereiteten Publikationshub bereit: www.ig-lebenszyklus.at/publikationen.
Der Bestand als wirtschaftliche Chance
Im Mittelpunkt des Kongresses am 3. November 2026 an der Hochschule Campus Wien stand die Frage, wann sich der Bestand rechnet – und für wen. Praxisbeispiele von ÖBB-Infrastruktur und JP Immobilien sowie Impulse aus Investment und Finanzierung machten deutlich: Sanierung und Umnutzung werden dann zum erfolgreichen Business Case, wenn Daten, Ziele und Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten von Anfang an stimmen.
„Der Bestand ist nicht das Problem der Bau- und Immobilienwirtschaft, er ist ihre größte Chance. Nachhaltig wird unsere Branche nur, wenn wir aufhören, Neubau als Normalfall zu sehen. Das meiste gebundene CO₂, die meisten Werte und die meisten Möglichkeiten liegen im Bestand – technisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich.“—Christoph Müller-Thiede, Sprecher des Vorstands der IG Lebenszyklus Bau (M.O.O.CON).
„Der Gamechanger im Bestand ist die Betrachtung von CO2-Effizienz über den gesamten Lebenszyklus. Gerade die grauen Emissionen aus der Herstellung müssen Berücksichtigung finden.”—Timm Sassen (Greyfield Group und Vorstand des Vereins Bauen in Bestand in Berlin)
„Für uns als Bank ist es vor allem wichtig, früh im Projekt eingebunden zu sein. Jedes Projekt ist anders und gehört individuell beurteilt – das gilt für den Neubau wie für den Bestand."—Andrea Kobetic, UniCredit Bank Austria.
Portfoliomanagement: Kein Patentrezept, aber klare Erfolgsfaktoren
Wie große Bestandshalter:innen ihre Gebäude strategisch, wirtschaftlich und klimafit weiterentwickeln, zeigt etwa die Arbeitsgruppe “Portfoliomanagement” anhand von acht Praxisbeispielen – von der BIG über die ÖBB bis zur Stadt Wien.
„Ein Patentrezept für Portfoliomanagement gibt es nicht. Jede Organisation muss ihren eigenen Weg finden, abhängig von Bestandsumfang, Zielen und Eigentümerstruktur. Gemeinsam ist allen erfolgreichen Ansätzen eine verlässliche Datengrundlage, eine klare Priorisierung und die Verbindung von Technik, Wirtschaftlichkeit und Ökologie.“—Margot Grim-Schlink, stellvertretende Sprecherin des Vorstands der IG Lebenszyklus Bau (e7).
Neue Geschäftsmodelle und Parkgaragen im Wandel
Mit innovativen Geschäftsmodellen entlang des Lebenszyklus und neuen Nutzungskonzepten anhand des Beispiels von Parkgaragen und Stellplätzen beschäftigten sich zwei weitere Arbeitsgruppen.
„Wert entsteht künftig nicht mehr nur beim Bauen, sondern dadurch, dass wir ihn über den gesamten Lebenszyklus erhalten – von Material und Daten bis hin zur Finanzierung. Ein gutes Beispiel sind Parkgaragen: Viele Stellplätze werden in Zukunft nicht mehr gebraucht. Wer Garagen heute so plant oder umbaut, dass sie neue Nutzungen aufnehmen können, macht aus einer Kostenstelle eine Mehrwertfläche.“—Dominik Philipp, stellvertretender Sprecher des Vorstands der IG Lebenszyklus Bau (DTFLR).
Weitere Ergebnisse der Arbeitsgruppen
Auch die übrigen Leitfäden setzen beim wirtschaftlichen Umgang mit dem Bestand an:
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