Wien, 16. Juni 2026 - Die neue Analyse im soeben erschienen Sonderbericht von Immo Analytics zeigt dramatische Versorgungslücke bei frei finanzierten Wohnungen: Die Fertigstellungen bleiben bis 2028 deutlich unter dem Bedarf, Projektverzögerungen bremsen den Markt und das Angebot an Mietwohnungen schrumpft weiter. Die Folgen sind steigende Mieten und eine zunehmende Verknappung von Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten.
Frei finanzierter Wohnungsmarkt: Die Versorgungslücke wird zur Dauerkrise
Laut aktuellem Sonderbericht werden 2026 lediglich rund 5.700 frei finanzierte Wohnungen fertiggestellt. Dem gegenüber steht ein jährlicher Bedarf von etwa 10.000 bis 11.000 Wohnungen, der sich aus Bevölkerungswachstum sowie dem notwendigen Ersatz bestehender Wohnsubstanz ergibt. Damit liegt die Neubauleistung nur bei rund der Hälfte des tatsächlichen Bedarfs.
Für 2027 fällt die Prognose noch schwächer aus: Der Bedarf wird das Fertigstellungsvolumen voraus-sichtlich um das 2,5-Fache übersteigen. Auch für 2028 zeichnet sich keine Entspannung ab. Aufgrund der niedrigen Zahl an Baugenehmigungen ist bereits heute absehbar, dass die Neubautätigkeit deutlich unter dem erforderlichen Niveau bleiben wird. Die Wohnungsknappheit wird sich daher nicht nur in den kommenden beiden Jahren, sondern auch darüber hinaus weiter verschärfen. (siehe Grafik)
Gründe für die Wohnungsknappheit
Ein wesentlicher Faktor sind anhaltende Projektverzögerungen. Rund 40 Prozent aller Projekte weisen gegenüber den vor einem Jahr kommunizierten Fertigstellungsterminen Verzögerungen von mindestens drei Monaten auf. Als Hauptursachen gelten weniger operative Bauprobleme als vielmehr schwierige Finanzierungs-bedingungen und Herausforderungen bei der Vorverwertung von Projekten. Gleichzeitig begrenzen niedrige Baugenehmigungszahlen die Neubautätigkeit der kommenden Jahre zusätzlich.
Mietwohnungen: Wir steuern auf Londoner Verhältnisse zu
Besonders kritisch entwickelt sich die Situation am Mietwohnungsmarkt. Die Zahl der für die Bestands-haltung durch institutionelle Investoren geplanten Mietwohnungsprojekte ist innerhalb weniger Monate deutlich zurückgegangen. Während rund drei Viertel der Wiener Bevölkerung zur Miete wohnen, wird künftig immer weniger frei finanzierter Mietwohnraum neu auf den Markt kommen. Bereits heute zeigt sich die Verknappung in steigenden Mieten, insbesondere im unteren Preissegment.
„Die Zahlen zeigen klar, dass Wien auf eine strukturelle Wohnungsknappheit zusteuert. Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei den Mietwohnungen. Wenn das Angebot weiterhin so stark zurückgeht, werden wir uns bei Mieten und Verfüg-barkeit zunehmend an internationalen Metropolen orientieren müssen. Die Gefahr von Verhältnissen wie in London ist real.“—Gregor Pfeiffer, Geschäftsführer Immo Analytics