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Seit 150 Tagen ist die Immobilien Plattform IMMOunited online. Was als Plan B aus einer geplatzten Transaktion entstand, hat sich in kürzester Zeit zu einem der meistbesuchten Immobilienportale Österreichs entwickelt.
Die neue Plattform IMMOunited ist seit 150 Tagen online. Was hat sich in dieser Zeit getan?
Roland Schmid: In diesen viereinhalb Monaten haben wir 1.100 Kunden auf der Plattform angelegt. Knapp 900 davon inserieren aktiv, was uns aktuell auf über 69.000 Inserate bringt. Damit sind wir, gemessen an österreichischen Inseraten, bereits das drittgrößte Immobilienportal in Österreich. Das macht mich wirklich stolz, weil das keine einfache Reise war.
Wie sieht es mit der Frequenz, mit den Zugriffszahlen aus?
Wir haben über 115 Millionen Werbekontakte ausgespielt, über 15 Millionen Social-Media-Kontakte und nochmals über 3 Millionen über Kanäle wie YouTube. Das ergibt monatlich zwischen 250.000 und 350.000 eindeutige Besucher. Selbst unsere Agenturen sind beeindruckt, wie schnell wir diese Reichweite aufgebaut haben.
Woher kommen diese Besucher konkret?
Wir haben drei große und eine kleinere Quelle. Rund 38 Prozent kommen über Kooperationen, zum Beispiel mit oe24, der Trend-Partnerschaft und jetzt neu mit 5min.at. Weitere 30 Prozent kommen über Google. Und dann gibt es noch 30 Prozent, die direkt auf das Portal zu uns gelangen. Das sind die Ergebnisse unserer Außenwerbung, Fußball-Wandwerbung und Gewinnspiele, also dort, wo man wirklich die E-Mail eingibt und nicht auf einen Link klickt."
Überraschend für uns war, dass nur 2 bis 3 Prozent über Social-Media-Kampagnen zu uns finden. Das zeigt klar, wo wir den Schwerpunkt setzen müssen.
Was ist das erklärte Ziel? Marktführerschaft unter den Immobilienplattformen?
Nein, das ist derzeit nicht unser Ziel. Wir wollen keine Nummer eins oder zwei werden, sondern eine stabile Nummer drei in Österreich sein. Eine Ergänzung, keine Verdrängung. Für ein neues Angebot ist es viel leichter, neben einem Marktführer eine Berechtigung zu finden, als ihn direkt zu verdrängen. Wir sprechen auch komplett neue Zielgruppen an, die unsere Kunden bisher nicht erreicht haben.
Mit Jahresende läuft die kostenfreie Zeit ab. Mit welchen Gebühren müssen die Makler ab 2027 rechnen?
Seit Oktober sprechen wir mit unseren Business-Kunden, den Maklern, darüber. Die Beiträge, die wir verlangen werden, sind keine marktüblichen Preise, sondern eine Unterstützung für den Portalaufbau. Und das Wichtigste: Alles, was wir durch die Monetarisierung einnehmen, fließt 1 zu 1 in die Werbung für das Portal. Entwicklungskosten sind bereits in unseren regulären Businessplänen berücksichtigt.
Das Vertrauen meiner Kunden überwältigt mich persönlich. Sie geben uns die Zeit, die wir brauchen, um Reichweite und Anfragen zu generieren und weiterzuentwickeln.
Was haben Endkunden künftig von der Plattform?
Wir wollen ein echtes Immobilien-Universum aufbauen. Das beginnt damit, den Markt verständlich zu machen: Preisentwicklungen, Transaktionen, Angebotspreise. Wir werden das bis auf Mikrolagen-Ebene anbieten, also wirklich auf Bezirks- und Nachbarschaftsebene heruntergebrochen.
Konkret: Wer seine Immobilie bei uns einpreist, bekommt nicht nur eine Preisindikation, sondern kann den Wert seiner Immobilie über ein Dashboard langfristig beobachten. Und er bekommt automatisch neue Angebote und Transaktionsdaten aus seiner unmittelbaren Umgebung, also im Umkreis von etwa 400 Metern.
… und das kostet?
Nichts. Genauso wie unsere IMMOunited2Go-App, die bereits kostenlos verfügbar ist. Es geht darum, ganz Österreich mitzunehmen und zu erklären, was der Immobilienmarkt bedeutet und wie man ihn nutzen kann.
Sie sprechen in diesem Zusammenhang gerne von einer „First Buyer Journey". Was steckt dahinter?
Die Idee ist einfach: Nutzer geben ihr Budget, ihre Eigenmittel, ihr Einkommen und ihre Wunschlage an. Wir zeigen dann, welche Lagen und Immobilien realistisch sind und ob Kaufen oder Mieten sinnvoller wäre. Wer zum Beispiel vom Schafberg träumt, das Budget dafür jedoch nicht reicht, bekommt Alternativen wie Dornbach oder den Wiener Wilhelminenberg vorgeschlagen. Oder wir sagen ehrlich: Mit diesem Eigenkapital ist Mieten gerade die bessere Wahl.
Werden die Plattformen in Zukunft den Makler ersetzen?
Auf keinen Fall. Vermarktung, Besichtigungen, Rechtssicherheit und die richtige Preisfindung brauchen weiterhin Experten. Unser Ziel ist es, den Weg dorthin zu begleiten. Der Makler kann dann davon ausgehen, dass der IMMOunited-Kunde bereits ein solides Basiswissen mitbringt. Das macht die Zusammenarbeit für alle einfacher.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz für das Portal IMMOunited?
Eine große. Wir haben das Portal von Anfang an so aufgebaut, dass es auch von KI-Systemen gefunden werden kann. Wir bekommen bereits erste Anfragen über KI-Tools, auch wenn der Anteil noch gering ist. Langfristig werden KI-Agenten Portale wie unseres durchsuchen und Nutzer über Chatoberflächen zu passenden Angeboten führen.
Wir planen technisch schon jetzt mit sogenannten MCP-Servern. Damit können wir sowohl Inserenten als auch Suchenden KI-gestützte Services anbieten, die das Suchverhalten besser verstehen und personalisierte Empfehlungen geben.
Und nein: KI wird Immobilienportale nicht überflüssig machen. KI-Agenten greifen auf Portale zu, genauso wie Google früher auf Webseiten zugegriffen hat.
Wie unterscheidet sich Ihr Immobilienportal von den Mitbewerbern? Wo liegt die Unique Selling Proposition (USP)?
Der Markt ist in Bewegung, das stimmt. Es gibt viele neue Ideen, auch KI-gestützte Bewertungsplattformen und Marktberichte. Es gibt tolle Lösungen, neue Ansätze. Entscheidend ist aber, was wirklich dahintersteckt: Wie vollständig sind die Daten? Wie zuverlässig? Und hat das Unternehmen die Kraft und das Budget, das Produkt dauerhaft zu bewerben?
Unser Vorteil ist, dass wir auf einem bekannten Kerngeschäft aufbauen. Das Vertrauen der Kunden kommt nicht von ungefähr. Sie kennen uns, sie wissen, was wir können.
Wie wichtig ist persönliche Betreuung in einer zunehmend digitalisierten Welt?
Sehr wichtig, und das wird sich nicht ändern. Bei uns gibt es keine KI-Stimme am Telefon. Jede schriftliche Kundenanfrage wird innerhalb von zehn Minuten beantwortet. Wer anruft, wartet maximal fünf Sekunden in der Warteschleife. Eigentümergeführt, österreichisch, menschlich: Das ist unser Versprechen, und dabei bleibt es.
Meine persönliche und unternehmerische Planung sah im letzten Jahr ganz anders aus. Es war eine Transaktion geplant, die durch Behörden verhindert wurde. Aus dieser Situation heraus ist neben den bekannten Businessprodukten das spannendste Immobilienportal IMMOunited entstanden. Und ich sage ganz offen: Ich wollte das eigentlich nicht machen. Aber jetzt, nach 150 Tagen, bin ich froh, dass es so gekommen ist. Wir haben bewiesen, was in dieser kurzen Zeit möglich ist. Und wir haben noch viel vor.
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