Aus Erdaushub wird neuer Ziegel
Zwei PORR Baustellen in Wien zeigen, wie es geht.
Ein QR-Code auf dem Sammelsack, wenige Klicks und der Styropor-Verschnitt von der Baustelle ist zur Wiederverwertung angemeldet. Was heute dank EPSolutely österreichweit möglich ist, steht beispielhaft für den Wandel einer ganzen Branche: von der Entwicklung und Qualitätssicherung leistungsfähiger Wärmedämmstoffe hin zur funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Die Güteschutzgemeinschaft Polystyrol-Hartschaum (GPH) feiert heuer ihr 50-jähriges Bestehen – und richtet den Blick vor allem nach vorne.
„Die GPH hat die Entwicklung des österreichischen EPS-Dämmstoffmarktes über fünf Jahrzehnte wesentlich mitgestaltet. Wir haben Produktstandards etabliert, die Qualitätssicherung vorangetrieben und dazu beigetragen, dass Styropor heute ein unverzichtbarer Bestandteil energieeffizienten Bauens und Sanierens ist. Mit EPSolutely haben wir nun auch beim Recycling einen entscheidenden Schritt gesetzt.“—Roland Hebbel - Obmann der GPH
EPSolutely: Aus Baustellenabfällen werden neue Dämmplatten
Das derzeit wohl sichtbarste Zukunftsprojekt der GPH heißt EPSolutely. Was als Forschungsprojekt unter der Leitung von Fraunhofer Austria begann, hat sich zu einem österreichweiten Rückholsystem für saubere EPS-Dämmplattenverschnitte entwickelt. Seit September 2024 können Verarbeiter das auf Baustellen anfallende Material getrennt in speziellen Sammelsäcken erfassen und über eine digitale Plattform zur Abholung anmelden. Sechs Industriepartner sorgen für Sammlung und Wiederaufbereitung. Aus den Resten entstehen wieder neue Dämmplatten.
Dass das System in der Praxis funktioniert, zeigen erste Ergebnisse der Partnerunternehmen: Austrotherm, austyrol, Flatz, HIRSCH, Steinbacher und swisspor haben bereits über 315.000 kg EPS-Verschnitt von Baustellen zurückgeholt und in den Stoffkreislauf zurückgeführt. Damit wird aus einem theoretischen Kreislaufwirtschaftskonzept ein konkreter Beitrag zur Ressourcenschonung.
Die GPH engagiert sich darüber hinaus seit Jahren für neue Recyclingverfahren, unter anderem im europäischen Projekt PolyStyreneLoop. Auch für verunreinigte EPS-Abfälle aus dem Gebäuderückbau wurden mittlerweile technisch vielversprechende Aufbereitungsverfahren erprobt. Die nächste Herausforderung liegt darin, diese Lösungen in größerem Maßstab wirtschaftlich umzusetzen.
Von sieben Seiten ÖNORM zu europäischen Qualitätsstandards
Als die GPH 1976 gegründet wurde, war die Wärmedämmung mit Styropor noch ein vergleichsweise junges Kapitel der österreichischen Baugeschichte. Die erste nationale EPS-Dämmstoffnorm aus dem Jahr 1967 umfasste gerade einmal sieben Seiten. Heute regelt die rund 70 Seiten starke europäische Norm EN 13163 die Anforderungen an werkmäßig hergestellte EPS-Dämmstoffe.
“Die GPH hat diese Entwicklung über Jahrzehnte begleitet: von der Güteüberwachung über die Zulassung neuer Anwendungen und die Weiterentwicklung des Brandschutzes bis hin zu Umwelt-Produktdeklarationen und Recyclingkonzepten. Damit zählt sie zu den Wegbereitern der modernen Wärmedämmung und thermischen Gebäudesanierung in Österreich.”—Clemens Demacsek - GPH-Geschäftsführer
Die Zukunft liegt in der thermischen Sanierung – und im Stoff-Kreislauf
Die Herausforderungen für die kommenden Jahre sind klar umrissen: Österreichs Gebäudebestand muss energetisch ertüchtigt, der Heiz- und Kühlenergiebedarf reduziert und die thermische Sanierung wieder stärker vorangetrieben werden. Dafür braucht es leistungsfähige und wirtschaftliche Dämmstoffe, aber ebenso verlässliche Rahmenbedingungen für Bauherren und Sanierungsbetriebe.
„Die energetische Ertüchtigung unserer Gebäude ist aus Klimasicht die wichtigste Aufgabe der kommenden Jahrzehnte. Wir verfügen über hochqualitative und bewährte Dämmstoffe und das technische Know-how, um den Energieverbrauch im Gebäudebestand deutlich zu senken. Mit EPSolutely haben wir zudem für saubere Baustellenverschnitte eine praktikable Recyclinglösung geschaffen. Jetzt gilt es, die Sanierung wieder in Schwung zu bringen und die Kreislaufwirtschaft zu etablieren“, so GPH-Obmann Roland Hebbel.
Für die GPH bleibt damit auch nach 50 Jahren viel zu tun. Der Schwerpunkt verschiebt sich vom reinen Güteschutz hin zu einer umfassenden Betrachtung des Dämmstoffs über seinen gesamten Lebenszyklus – von der Herstellung über den jahrzehntelangen Einsatz im Gebäude bis zur Rückgewinnung des Rohstoffs
Zwei PORR Baustellen in Wien zeigen, wie es geht.
Forschung, die wirkt – für eine zukunftsfitte Energie-Infrastruktur
“Re:Living”-Ansatz mit Schwerpunkt auf Gesundheit, Leistbarkeit und Nachhaltigkeit.