Baumaßnahmen gegen Extremhitze werden wichtiger

Ein Bürogebäude in Neu-Isenburg und ein preisgekröntes Wohnprojekt in Glyfada bei Athen zeigen, wie der Projektentwickler City 1 Group Innenräume ohne Dauerbetrieb der Klimaanlage kühl hält.
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
Baumaßnahmen gegen Extremhitze werden wichtiger
© ImmoFokus

Der Klimawandel mit Hitzeextremen wird die Immobilienbranche in den kommenden Jahren ähnlich beschäftigen wie zuletzt das Heizungsgesetz. Zu dieser Einschätzung kommt Michael Farmakis, Geschäftsführer der City 1 Group. Das Unternehmen ist sowohl in Deutschland als auch in Griechenland aktiv und kennt sich mit Hitze entsprechend aus. Deutschland hat in diesem Sommer am 27. Juni laut Deutschem Wetterdienst mit 41,8 Grad einen neuen Hitzerekord verzeichnet.

„Während viele Gebäude an solchen Tagen an ihre Grenzen stoßen, bleiben die Innenräume in unseren Bauten kühl, ohne dass die Klimaanlage rund um die Uhr läuft“, erklärt Michael Farmakis, Geschäftsführer der City 1 Group.

Außenjalousien statt Dauerbetrieb: Was im Epsilon Office wirklich zählt

An der Friedhofstraße 90 in Neu-Isenburg vermietet die City 1 Group auf rund 4.000 Quadratmetern Bürofläche, verteilt auf neun Einheiten. Gegen die Sommerhitze wirken dort mehrere bauliche Entscheidungen zusammen: Außenjalousien fangen die Sonneneinstrahlung ab, bevor sie die Fensterflächen erreicht. Eine Vollklimatisierung mit Frischluftzufuhr tauscht die Raumluft aus. Die Decken reichen 3 Meter hoch, warme Luft steigt dadurch über die Kopfhöhe der Mitarbeitenden. Unter dem Boden verläuft zusätzlich ein Hohlraum, der Leitungen für Kühlung und Technik aufnimmt.

Der Energiebedarfsausweis weist einen Endenergiebedarf von 86 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr aus, geheizt wird mit Holzpellets, die Effizienzklasse liegt bei B.

Michael Farmakis, Geschäftsführer der City 1 Group: „Wir haben beim Bau 2019 bewusst nicht die günstigste Lösung gewählt, sondern die, die sich über zwanzig Jahre Nutzung rechnet. Außenjalousien kosten in der Anschaffung mehr als innenliegende Rollos, sparen aber jeden Sommer Energie, weil die Klimaanlage weniger arbeiten muss.“

Seit April 2025 mietet die Celius Intensivpflege GmbH rund 370 Quadratmeter des Gebäudes. Geschäftsführer Nikola Markovic: „Gerade in den Hitzemonaten hat sich unsere Entscheidung für dieses Gebäude ausgezahlt. Unsere Mitarbeiter kommen oft direkt von Einsätzen bei Patienten zu uns ins Büro, dass sie hier nicht zusätzlich mit stickiger Luft kämpfen müssen, hat man an der Konzentration in den Besprechungen gemerkt. Auch Angehörige, die zu uns kommen, um Pflege für ihre Familie zu organisieren, sitzen bei uns in einem kühlen Raum. Gerade in dieser Situation macht das einen Unterschied“.

Das gleiche Prinzip an der Athener Riviera

Denselben Gedanken verfolgt die City 1 Group beim Projekt Icon Living rund 2.000 Kilometer südöstlich von Neu-Isenburg an der Athener Riviera. Zwei fünfgeschossige Gebäude mit insgesamt 15 Apartments zwischen 140 und 400 Quadratmetern liegen auf einem rund 3.000 Quadratmeter großen Grundstück in Glyfada. Alle Einheiten sind nach Westen ausgerichtet mit Blick auf den Golfplatz von Glyfada, das Meer und den Sonnenuntergang über der Athener Riviera. Auf dem Dach wächst Grün, zwischen den Gebäuden liegen Wasserflächen, ein 22 Meter langer Gemeinschaftspool ergänzt die Außenanlage.

„Eine Westausrichtung bedeutet, dass die Nachmittagssonne die Fassade direkt trifft. Den Sonnenuntergang über der Athener Riviera wollten wir trotzdem nicht vorenthalten. Also haben wir dem Architekturteam die Aufgabe gestellt, eine Lösung zu finden, die diesen Ausblick erhält, ohne dass die Wohnungen am Nachmittag überhitzen“, sagt Farmakis.

Wenn Bäume die Arbeit übernehmen: Ensemble Edenholz

Im Frankfurter Holzhausenviertel setzt die City 1 Group auf ein deutlich einfacheres Mittel gegen Hitze: vorhandene Bäume. Auf dem Grundstück des Ensembles Edenholz standen bereits vor Baubeginn ausgewachsene Bäume. Die City 1 Group hat diese Bäume in die Planung der vier Wohnhäuser integriert, statt sie zu fällen. Der Baumbestand spendet den großzügigen Außenanlagen zwischen den Gebäuden Schatten. 2018 gewann das Ensemble den iF Design Award.

„Bäume zu erhalten, kostet in der Bauphase oft mehr Abstimmung mit den Behörden. Aber sie spenden vom ersten Tag an Schatten – anders als neu gepflanzte Bäume, die erst nach Jahrzehnten die gleiche Größe erreicht haben“, erklärt Farmakis.

Der Blick nach vorn

In den kommenden Jahren realisiert die City 1 Group zehn weitere Immobilienprojekte mit insgesamt 56.000 Quadratmetern Wohnfläche, das entspricht rund 650 neuen Wohnungen. Rund 200 davon gehen in den nächsten zwölf Monaten in Dreieich, Neu-Isenburg, Hochheim, Wiesbaden und Frankfurt in den Bau. Bei jedem dieser Projekte prüft das Unternehmen von Anfang an, wie sich Gebäude ohne dauerhaften Betrieb der Klimaanlage kühl halten lassen.

„Außenjalousien, alte Bäume oder eine durchdachte Ausrichtung zum Sonnenstand kosten in der Planung Zeit. Diese Zeit nehmen wir uns, weil sie sich für die Menschen, die später dort wohnen oder arbeiten, jeden Sommer auszahlt."
—Michael Farmakis - Geschäftsführer der City 1 Group