Der Techem Hitzeatlas zeigt die Hotspots in Österreich

Wo Hitze in Gebäuden zur Belastung wird und der Kühlbedarf steigt.
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
Der Techem Hitzeatlas zeigt die Hotspots in Österreich
© ImmoFokus

Der durch den Klimawandel bedingte Leidensdruck der Österreicherinnen und Österreicher wird seit Jahren immer größer. Ein Temperaturrekord jagt den nächsten, und die aktuelle Hitzewelle wird von Diskussionen rund um Wasserknappheit, drohendem Hitzetod und potenziellen Schulschließungen begleitet. Das zeigt einmal mehr, wie stark hohe Temperaturen inzwischen unseren Alltag prägen. Dabei ist diese Entwicklung Teil eines übergeordneten Trends: Europa gilt als der Kontinent, der sich weltweit durch den Klimawandel am schnellsten erwärmt – mit spürbaren Folgen für Österreich.

Hitze wird zur Herausforderung für Gebäude

Vor diesem Hintergrund verändern sich auch die Anforderungen an Gebäude ganz grundlegend – egal, ob es um Büros, Schulen oder Wohnhäuser geht. Denn längere Hitzeperioden führen dazu, dass sich Innenräume auch viel stärker aufheizen. Sie kühlen zudem nachts weniger aus. Und damit gerät der thermische Komfort nachhaltig unter Druck. „Hitze und ihre Regulierung werden immer mehr zu einer zentralen Herausforderung im Gebäudebetrieb“, bestätigt Karl Moll, Geschäftsführer der Techem Messtechnik GmbH in Österreich.

„Es ist deshalb entscheidend, die Auswirkungen dieser Entwicklung transparent zu machen und Gebäude datenbasiert so zu steuern, dass Komfort und Effizienz auch bei steigenden Temperaturen gewährleistet bleiben. Wir müssen gemeinsam die Basis dafür schaffen, dass ein hoher Energieaufwand dabei vermieden werden kann – mit entsprechender Planung und dem klugen Einsatz moderner Technologie.“
—Karl Moll - Geschäftsführer der Techem Messtechnik GmbH

Ost-West-Gefälle bei Hitzerekorden

Wie sehr sich das Hitzeproblem in den Orten und Regionen manifestiert hat, zeigt der neue Techem Hitzeatlas Österreich auf. Er macht die Entwicklung seit 1980 sichtbar. Grundlage der Auswertung sind die sogenannten Kühlgradtage („Cooling Degree Days“): Sie geben an, wie häufig und intensiv hohe Temperaturen zu einem Kühlbedarf führen. Damit sind sie ein verlässlicher Indikator für die Hitzebelastung. Gab es 1980 österreichweit durchschnittlich noch 1,44 Kühlgradtage, wuchs deren Zahl bis 2025 auf 25,39 an. 

Konkret besagt ein Kühlgradtag, inwiefern die Differenz aus maximaler und minimaler Tagestemperatur zusätzliche Kühlungsmaßnahmen notwendig macht. Wenn es tagsüber heiß ist, aber in der Nacht weiterhin natürliche Abkühlung erfolgt, ist es durch richtiges Lüften möglich, die Innentemperatur erträglich zu halten. Wenn die nächtliche Abkühlung ausbleibt bzw. weniger Erleichterung bringt – bis hin zu „Tropennächten“ –, dann muss intelligente Gebäudetechnik helfen. Die Analyse von Techem zeigt auf Basis der Vorjahresdaten eine klare geografische Konzentration: Die Orte bzw. Regionen mit dem meisten Kühlbedarf 2025 lagen im Osten und Süden Österreichs – betroffen sind vor allem Wien, das nördliche Burgenland und Teile Niederösterreichs. Als Top-10 dieser heißesten Orte und Regionen 2025 wurden ausgemacht:

  1. Wien
  2. Nordburgenland
  3. Wiener Umland/Südteil
  4. Wiener Umland/Nordteil
  5. Weinviertel 
  6. St. Pölten
  7. Südburgenland
  8. Linz-Wels
  9. Klagenfurt-Villach
  10. West- und Südsteiermark

Insgesamt zeigt sich: Der Umgang mit Hitze entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Aufgabe im Gebäudebetrieb und erfordert ein Zusammenspiel aus Technik, Daten und intelligentem Management. Für Wohnungswirtschaft, Gebäudebetreiber und Kommunen bedeutet das: Hitze muss stärker in Planung, Ausstattung und Betrieb von Gebäuden berücksichtigt werden. Datenbasierte Analysen und intelligente Lösungen werden dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Für den Techem Hitzeatlas wurden Kühlgradtage (Cooling Degree Days, CDD) als zentraler Indikator zur Beschreibung der Hitzebelastung herangezogen. Ist die Tagesmitteltemperatur größer oder gleich eines definierten Grenzwerts, wird von einem Kühlgradtag gesprochen. Der Kühlbedarf für die einzelnen Tage wird als Differenz zu einer Grenztemperatur bestimmt. Die verwendete Quelle (agri4cast.jrc.ec.europa.eu) nutzt als Grenzwert 24 °C und als Grenztemperatur 21 °C. Die bei agri4cast angegebenen monatlichen CDD-Werte wurden zu jährlichen Summen aggregiert.

Die Analyse basiert auf Daten der NUTS3-Regionen der amtlichen Statistik der Europäischen Union für Österreich. Zur Darstellung auf Ebene der Bundesländer wurden flächengewichtete Mittelwerte der jeweiligen Regionen berechnet, um die Größen der Regionen zu berücksichtigen. Die aktuelle Hitzebelastung wird anhand der CDD-Werte für das Jahr 2025 dargestellt. Zur Bewertung der langfristigen Entwicklung seit 1980 wurde eine Glättung über dreijährige Mittelwerte vorgenommen.