Family Offices reduzieren den Deutschland-Immobilien-Anteil deutlich

Immobilien bleiben mit 53,7 Prozent die mit Abstand wichtigste Anlageklasse
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Tim Schomberg
Tim Schomberg
© Kingstone

KINGSTONE Investment Management (KINGSTONE IM) hat seinen zweiten Family Office Real Estate Report 2026 vorgestellt, erarbeitet in Kooperation mit dem Family Office Real Estate Day von RUECKER EVENT. Für die Studie befragte KINGSTONE IM 34 Family Offices aus dem DACH-Raum zu ihren Immobilieninvestment-Strategien. Das zentrale Ergebnis: Immobilien bleiben mit Abstand die bedeutendste Assetklasse in den Portfolios vermögender Familien — doch das Gewicht verschiebt sich geografisch spürbar.

Der Immobilienanteil in den Portfolios der befragten Family Offices liegt 2026 bei 53,7 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang von 2,8 Prozentpunkten (2025: 56,5 Prozent). Die zweitwichtigste Assetklasse bleibt Aktien mit 19,6 Prozent — nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr (+0,2 Prozentpunkte).

„Die Umfrage 2026 bestätigt die Ergebnisse unserer letzten Befragung vor einem Jahr: Immobilien sind und bleiben das Rückgrat und die wichtigste Anlageklasse vermögender Familien. Mit mehr als 50 Prozent des Vermögens sind Family Offices deutlich stärker als institutionelle Investoren in Immobilien investiert.“
—Tim Schomberg, CEO von KINGSTONE IM

Deutschland-Exposure: Signifikanter Rückgang binnen eines Jahres

Deutschland bleibt zwar der wichtigste Immobilien-Investmentstandort, verliert jedoch deutlich an Gewicht. 2026 entfallen 76,5 Prozent des Immobilienvermögens auf Deutschland — 2025 waren es noch 88,3 Prozent. Das entspricht einem Rückgang von 11,8 Prozentpunkten innerhalb eines Jahres. Parallel dazu stieg die Allokation im europäischen Ausland auf 12,6 Prozent (+6,7 Prozentpunkte) und in den USA auf 9,0 Prozent (+3,6 Prozentpunkte).

„Die Ergebnisse zur Länderallokation bestätigen das, was wir in Gesprächen mit Kunden wahrnehmen. Zwar ist Deutschland nach wie vor ein wichtiger Investmentmarkt. Aber das Interesse an Auslandsimmobilien nimmt zu. Viele Family Offices sind in Deutschland sehr stark allokiert und wünschen sich eine stärkere Diversifizierung ihrer Immobilienanlagen. Insbesondere Polen und UK werden unter unseren Kunden oft genannt.“
—Philipp Schomberg, Co-Founder von KINGSTONE IM und CEO Poland

Nutzungsarten: Wohnen führt, Einzelhandel legt deutlich zu

Bei den Immobilien-Nutzungsarten hält Wohnen mit einem Anteil von 37 Prozent die Spitzenposition. Büro folgt mit 22,7 Prozent, wobei der Büroanteil gegenüber dem Vorjahr moderat zurückging (-2,3 Prozentpunkte). Wohn- und Geschäftshäuser belegen mit 13,5 Prozent Rang drei, Einzelhandelsimmobilien mit 12,1 Prozent Rang vier. Auffällig: Der Einzelhandelsanteil stieg im Jahresvergleich um 5,8 Prozentpunkte — der stärkste Zuwachs unter allen Nutzungsarten.

Renditeerwartungen und Investitionspläne

Die Renditeerwartungen der befragten Family Offices streuen erheblich: Sie reichen von 4,0 bis über 10,0 Prozent Total Return p.a.

„Die größte Gruppe bilden 35,3 Prozent der Befragten, die einen Total Return zwischen 5,5 und 7,0 Prozent p.a. erwarten. Ein weiteres Viertel der Befragten erwartet 7,0 bis 8,5 Prozent Total Return p.a.“
—Tim Schomberg

Hinsichtlich der geplanten Portfolioentwicklung in den kommenden zwölf Monaten überwiegt die Wachstumsorientierung. 

„Rund ein Drittel will sein Immobilien-Exposure konstant halten. Bei rund 41 Prozent soll das Immobilienportfolio leicht oder stark wachsen. Dem stehen rund 26 Prozent der Befragten gegenüber, die die Quote leicht oder stark reduzieren wollen.“
—Philipp Schomberg

Für den Dreijahreszeitraum gaben rund 40 Prozent (38,2 Prozent) der Befragten an, jährlich zwischen 5,0 und 10,0 Mio. Euro in Immobilien investieren zu wollen. Rund ein Viertel (23,5 Prozent) plant Investitionen zwischen 10 und 20 Mio. Euro p.a., rund 15 Prozent (14,7 Prozent) zwischen 20 und 50 Mio. Euro. Dr. Tim Schomberg ordnet ein: „Insgesamt sind die Volumina, die p.a. in den nächsten drei Jahren investiert werden sollen, leicht kleiner geworden. Große Summen – zwischen 50 bis 100 Mio. Euro p.a. – wollen nur 5,9 Prozent machen. Kein Family Office gab an, über 100 Mio. Euro p.a. in Immobilien anlegen zu wollen.“

Methodik

Die Umfrage lief vom 1. September bis 22. Oktober 2026. KINGSTONE IM kontaktierte insgesamt 1.450 Family Offices; 34 nahmen teil, was einer Rücklaufquote von 2,34 Prozent entspricht. 35,3 Prozent der Teilnehmenden verwalten ein Nettovermögen von mehr als 500 Mio. Euro, weitere 35,3 Prozent zwischen 100 und 500 Mio. Euro. Die Ergebnisse bilden ein Stimmungsbild unter den teilnehmenden Family Offices ab und erheben aufgrund der Stichprobengröße keinen Anspruch auf Repräsentativität.

Mehr aus Investment