Mehr als drei Viertel der Österreicher sehen Wohnimmobilien als sichere und attraktive Anlageform, 62,6 % können sich vorstellen, künftig in diesem Segment zu investieren. Das zeigt die erstmals anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Raiffeisen Vorsorge Wohnung (RVW) beauftragte Immobilien-Studie. Dafür befragte Marketagent im August 2026 insgesamt 938 Personen zwischen 20 und 75 Jahren.
Kaufpreis schlägt Lage: Entscheidungskriterien im Wandel
Die Studie relativierte die klassische Immobilienformel „Lage, Lage, Lage“ deutlich. Mit 74 Prozent nannten die Befragten den Kaufpreis als wichtigstes Entscheidungskriterium, gefolgt vom Zustand der Immobilie. Die Lage rangiert erst an dritter Stelle. Weinberger erklärte: „Es ist weder die Rendite noch die Lage als Erstes genannt worden, sondern es ist wirklich mit 74% der Kaufpreis das Wichtigste.“
Für Vorsorgewohnungen gilt die U-Bahn-Nähe als verlässliches Signal für Vermietbarkeit. Energieeffizienz hat sich seit 2022 zu einem zentralen Kaufargument entwickelt. Weinberger stellte fest, dass eine Wohnung mit Gaskessel heute kaum noch vermittelbar sei und Nachhaltigkeitszertifizierungen stark an Gewicht gewonnen hätten.
„Die Studie zeigt, dass Wohnimmobilien weiterhin als sicherer Hafen für Investments wahrgenommen werden.“—RVW-Geschäftsführerin Marion Weinberger-Fritz
Breites Investitionsinteresse – besonders bei der Gen Z
36,2 % würden eine Immobilie zur Eigennutzung und als Kapitalanlage erwerben, 32,7 % ausschließlich zur Kapitalanlage und 23,6 % zur Eigennutzung. Mehr als die Hälfte der Gen Z (54,7 %) plant künftig den Erwerb einer Wohnimmobilie. Gleichzeitig erwarten 85,5 % eine steigende Wohnungsnachfrage, 81,6 % eine zunehmende Wohnungsknappheit in Österreichs Großstädten.
Leistbarkeit bleibt größte Hürde - Abstriche bei der Größe
Fehlendes Eigenkapital (46,2 %) und hohe Immobilienpreise (46,1 %) zählen zu den wichtigsten Investitionsbarrieren. Bei der Informationssuche bleiben Banken und Finanzberater mit 36,1 % die wichtigste Anlaufstelle. Bei der Gen Z gewinnen digitale Kanäle deutlich an Bedeutung.
Im Vorsorgewohnungssegment schätzte Weinberger, dass 40 bis 50 Prozent der Käufe mit 100 Prozent Eigenmitteln erfolgen. Der Fremdkapitalanteil sei heute tendenziell geringer als noch vor zehn Jahren, da die steuerliche Kalkulation einen bestimmten Eigenkapitaleinsatz erfordere. Finanzierungsabsagen seien selten, weil Interessenten ihre Leistbarkeit meist vorab abklärten. Bei eigennutzenden Käufern passe sich die Flächenerwartung häufig der tatsächlichen Finanzierbarkeit an: „Viele kommen halt mit der Erwartungshaltung, sie hätten gern 120 m² und kaufen dann 80 m².“
Zur beschleunigten Abschreibung, die für Projekte mit Klimazertifikat gilt und Ende 2026 ausläuft, stellte Weinberger klar, dass dieser Steuereffekt über einen 20-jährigen Betrachtungszeitraum nur marginal wirke: „Ich glaube nicht, dass jemand, der wirklich in eine sichere Wohnung investieren will, da spielt das nicht wirklich die große Rolle.“ Das Grundmotiv der Kunden — sichere Veranlagung, Planbarkeit, Zusatzpension — habe steuerliche Änderungen in 20 Jahren stets überdauert. Weinberger fasste zusammen: „Sicherheit schlägt die Rendite.“
Wiener Mietmarkt unter Druck
Weinberger sieht in der Angebotsknappheit im Wiener Mietmarkt ein strukturelles Problem: „Es gibt derzeit am Wiener Immobilienmarkt nur knapp 1.100 Neubauwohnungen, die für die Vermietung offen stehen.“ Sobald eine Einheit online gestellt werde, gingen binnen kürzester Zeit Bewerbungen mit Lebensläufen und Unterlagen ein. "Für eine Wohnung in der Steingasse im 3. Bezirk gingen innerhalb einer Woche rund 250 Anfragen ein. Das ist natürlich für die Vermieter sehr gut. Für die Mieter ist es natürlich weniger erfreulich.“ Die Lösung ist für Weinberger klar: "Mehr bauen.“ Wobei es sich um ein Ballungszentren-Phänomen und nicht um flächendeckendes österreichisches Problem handle. Wien stehe dabei besonders unter Druck.
Raiffeisen Stadtbank Wien: Wohnbaukreditvolumen bei 2,5 Milliarden Euro
Das Wohnbaukreditvolumen der Raiffeisen Stadtbank Wien ist 2026 um 2,6 % auf 2,5 Milliarden Euro gestiegen. Besonders gefragt sind Bestandsimmobilien, Sanierungen und energetische Verbesserungen. Die Bank bietet dazu umfassende Beratung sowie Unterstützung bei Förderungen und Versicherungslösungen.
Seit 20 Jahren begleitet die RVW Anleger beim Immobilieninvestment. In 33 Objekten in Wien und Niederösterreich wurden rund 1.800 Wohnungen verkauft. Das Angebot umfasst neben der Immobilienvermittlung unter anderem Vermietungsservice und steuerliche Planrechnungen. „Unser Rundum-sorglos-Paket begleitet Anleger entlang des gesamten Investitionsprozesses“, so Weinberger-Fritz.