Vertreter der österreichischen Photovoltaik-Branche haben Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner diese Woche einen konkreten Reformvorschlag übergeben: Ein Klima-Investitionsfreibetrag soll die bestehende PV-Förderung ersetzen und den Ausbau erneuerbarer Energie ohne zusätzliche Budgetbelastung ankurbeln.
Initiiert wurde das Gespräch von Hansesun Austria GmbH aus Röthis, dem nach eigenen Angaben größten PV-Anbieter Westösterreichs. Ebenfalls vertreten waren Energy 3000 solar GmbH aus dem burgenländischen Müllendorf, der Bundesverband Photovoltaic & Battery Austria sowie die Bundesinnung der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker.
Modell: 50 Prozent der Investitionskosten steuerlich absetzbar
Kern des Vorschlags ist ein Klima-Investitionsfreibetrag mit fünf Jahren Laufzeit, der für die Hälfte der Investitionskosten geltend gemacht werden kann. Das Modell gilt für den Bau neuer Photovoltaikanlagen, die Installation von Batteriespeichern, Ladestationen und Energiemanagementsystemen. Darüber hinaus sollen weitere Klimaschutzmaßnahmen integrierbar sein, darunter energetisch-thermische Sanierungen und Wärmepumpen.
Für eine typische PV-Anlage mit Batteriespeicher bei Investitionskosten von 20.000 Euro ergibt sich folgende Beispielrechnung: 50 Prozent der Investitionssumme — also 10.000 Euro — werden auf fünf Jahre verteilt als Freibetrag geltend gemacht. Bei einem durchschnittlichen Einkommenssteuersatz von 25 Prozent ergibt das eine jährliche Steuerersparnis von 500 Euro, in Summe 2.500 Euro über die gesamte Laufzeit.
Selbstfinanzierendes System: Steuereinnahmen übersteigen Freibetrag
Die Branchenvertreter argumentieren, das Modell finanziere sich über den Bau zusätzlicher Anlagen selbst. Allein die Umsatzsteuer-Einnahmen für eine typische Anlage beziffern sie mit 4.000 Euro — hinzu kommen Lohn- und Gehaltssteuereinnahmen der beteiligten Unternehmen. Andreas Müller, Initiator der Expertenrunde und Geschäftsführer von Hansesun Austria, formuliert die Ausgangslage klar: „Nach dem verheerenden letzten Fördercall ist das Geschäft komplett eingebrochen. Viele Kunden warten ab. Ein neuer Impuls ist für den Ausbau der Photovoltaik in Österreich dringend nötig, um die Klimaziele zu erreichen.“ Und weiter: „Die Zahl an PV-Anlagen würde deutlich erhöht. Das bringt auch dem Staat neue Einnahmen. Eine Win-Win-Situation für das Budget, die Unternehmen und die Kundinnen und Kunden.“
Bestehendes Förderbudget: 25.000 wartende Anträge abarbeiten
Parallel zum neuen Freibetrag-Modell fordert die Branche, das aktuelle Förderbudget von rund 60 Millionen Euro zur Abarbeitung der bestehenden Warteliste einzusetzen. Derzeit warten 25.000 Anträge auf Bearbeitung. Einzelne Bundesländer haben laut Pressemitteilung bereits Unterstützung signalisiert. Müller betont die Dringlichkeit: „Die Kunden brauchen Verlässlichkeit für ihre geplanten oder bereits umgesetzten Anlagen. Würden sie leer ausgehen, wäre das ein verheerendes Signal des Staates.“
Zukünftig soll aus demselben Budgettopf auch die Förderung besonders innovativer Projekte möglich sein — etwa im Bereich Fassaden-Photovoltaik oder Langzeitspeicher auf Basis von grünem Wasserstoff.
Nächste Schritte: Fördercall im Oktober als Zieldatum
Energie-Staatssekretärin Zehetner sagte weitere Gespräche mit der Branche zu den unterschiedlichen Fördermodellen zu. Diese sollen in den kommenden Wochen stattfinden; ein Ergebnis ist vor dem nächsten Fördercall im Oktober geplant. Da die Entscheidungshoheit für Steuerangelegenheiten beim Finanzministerium liegt, hat die PV-Branche ihrerseits Finanzminister Markus Marterbauer eingeladen, den Klima-Investitionsfreibetrag bei einem persönlichen Gespräch kennenzulernen.