ESG

Technische Probleme bei Photovoltaik-Förderanträgen: Hansesun prüft Klagen

Zehntausende Antragsteller verlieren Förderung für ihre Photovoltaik-Anlagen
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
Hansesun Andreas Mueller
Hansesun Andreas Mueller
© ImmoFokus

Beim letzten Call für die Photovoltaik-Förderung nach dem aktuellen System gab es am Donnerstagabend erneut schwere technische Probleme. Die Website der OEMAG, auf der die Anträge eingegeben werden mussten, ließ sich nach dem Start des Fördercalls teilweise nicht aufrufen. Richtig gelöste Captchas wurden als falsch gewertet. „Viele Antragsteller wurden um ihre letzte Chance gebracht, eine Förderung für ihre Photovoltaik-Anlage zu erhalten“, schildert Andreas Müller, Sprecher von Hansesun. Der größte Photovoltaik-Anbieter in Westösterreich prüft nun rechtliche Schritte für seine Kundinnen und Kunden. Sämtliche vorliegenden Anträge müssten vom Ministerium auf eine Warteliste gesetzt und abgearbeitet werden, fordert Hansesun.

Hansesun hatte sich intensiv auf den Fördercall am Donnerstag um 17 Uhr vorbereitet. Rund 400 Helferinnen und Helfer in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein unterstützten das Unternehmen. Browser wurden auf Kompatibilität gecheckt, Hotspots eingerichtet, damit keine Sperre von IP-Adressen die Anträge blockiert. Das Ziel: möglichst viele Anträge binnen weniger Sekunden einzugeben. Beim vorangehenden Fördercall war das Budget nach 36 Sekunden ausgeschöpft.

Das Ergebnis war ernüchternd. Nach dem Start ließ sich das Portal der OEMAG für das Eingeben der Anträge teilweise nicht aufrufen. Captchas wurden trotz richtiger Eingaben als falsch gewertet, das Nachladen eines neuen Captchas war erst nach einer Wartezeit möglich. Das Unternehmen hat die technischen Probleme in mehreren Fällen dokumentiert.

„Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, damit Kundinnen und Kunden nicht aufgrund des technischen Versagens der OEMAG ihre Förderung verlieren“, kündigt Hansesun-Sprecher Andreas Müller an. Man habe heute bereits eine rechtliche Prüfung beauftragt. „Ein Fördersystem, in dem Sekunden entscheiden, ob Kunden mehrere tausend Euro an Förderung erhalten oder nicht, muss funktionieren. Die OEMAG hat gestern zum wiederholten Mal bewiesen, dass sie einen solchen Fördercall technisch nicht abwickeln kann. Das Ministerium hat tatenlos zugeschaut und die Förderabwicklung immer wieder der OEMAG übertragen“, ärgert sich Müller.

Zehntausende verlieren Förderung

Anders als bisher haben Antragsteller:innen nun auch keine Möglichkeit mehr, den Antrag bei einem nächsten Fördercall erneut einzureichen. Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner hat bereits angekündigt, die Förderung ab dem kommenden Jahr neu aufzustellen und nur mehr Batteriespeicher und Energie-Management-Systeme zu fördern.

Hansesun rechnet damit, dass zehntausende Menschen in Österreich ihren Anspruch auf Förderung verlieren. Bereits beim letzten Fördercall im Juli waren 25.000 Antragsteller:innen leer ausgegangen. Diesmal dürften tausende weitere dazukommen, befürchtet der Photovoltaik-Anbieter, der in Tirol und Vorarlberg tätig ist.

Hansesun hat Zehetner mehrfach aufgefordert, diese zehntausenden Anträge auf eine Warteliste zu setzen und mit dem nächsten Budget abzubauen. Müller: „Zehntausende Österreicherinnen und Österreicher, die einen Beitrag zur Klimaneutralität und zur Sicherheit unseres Stromnetzes leisten wollen, gehen sonst leer aus.“

Statt einer neuen Förderung für Batteriespeicher und Energie-Managementsysteme schlägt Hansesun einen Klima-Investitionsfreibetrag vor. Die Steuerbegünstigung würde wichtige Klima-Investitionen ermöglichen, Impulse für die Baubranche und das Handwerk setzen und sich allein über die zusätzlichen Steuereinnahmen weitgehend selbst finanzieren. Auch komplizierte Anträge und ihre chaotische Abwicklung wären damit Vergangenheit.

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