Banken und Investoren treiben die Anforderungen an Gebäudedaten

Manuelle Datenerfassung bleibt weit verbreitet
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Banken und Investoren treiben die Anforderungen an Gebäudedaten
© Apleona, ZIA, Coalition-X, Rueckerconsult

Datenanforderungen von Banken und Investoren belasten die operative Tätigkeit von Immobilienunternehmen stärker als regulatorische Vorgaben. Gleichzeitig dominieren manuelle Prozesse die Datenerhebung, während uneinheitliche Anforderungen und unklare KPI-Definitionen die Bereitstellung erschweren. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von Apleona, dem ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss und der Brancheninitiative Coalition-X unter 112 Marktteilnehmern aus der Immobilienwirtschaft.

Rund 40 Prozent der Befragten bewerten den Einfluss der Datenanforderungen von Banken auf ihre operative Tätigkeit als stark bis sehr stark. Bei Investorenanforderungen liegt der Anteil mit 39 Prozent nahezu gleichauf. Regulatorische Vorgaben fallen demgegenüber deutlich ab: Den Einfluss der Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD/ESRS stufen rund 24 Prozent als stark bis sehr stark ein, die EU-Taxonomie rund 22 Prozent und die Offenlegungsverordnung SFDR rund 18 Prozent.

Manuelle Erhebung dominiert – digitale Lösungen noch Randerscheinung

Bei der Erfassung von ESG- und Gebäudedaten bleibt die manuelle Datenerhebung mit rund 54 Prozent die meistgenannte Methode. Rund 40 Prozent der Befragten beziehen Daten über Property Manager, rund 33 Prozent über Facility Manager. Digitale Lösungen spielen eine untergeordnete Rolle: CAFM-Systeme sowie Energiemanagement- oder Smart-Metering-Systeme nutzen jeweils knapp 30 Prozent der Befragten, ESG-Softwareplattformen gut ein Fünftel.

„Die Immobilienwirtschaft hat sich über viele Jahre mit heterogenen Datenbeständen und manuellen Prozessen arrangiert. Das funktioniert künftig immer weniger. Digitalisierung, Automatisierung und insbesondere der Einsatz von KI setzen voraus, dass Daten verlässlich, einheitlich definiert und damit nutzbar sind. Datenqualität wird so zu einer entscheidenden Voraussetzung, um die neuen Potenziale überhaupt heben zu können.“
—Jochen Keysberg, CEO der Apleona Group

Hürden bei der Datenbereitstellung

Uneinheitliche Datenanforderungen nennen 70 Prozent der Befragten als größtes Hindernis bei der Datenbereitstellung für Banken und Investoren – mit Abstand der meistgenannte Problemfaktor. Jeder Zweite sieht unklare Definitionen und Bezugsgrößen der KPIs als Herausforderung. Fehlende Daten auf Gebäudeebene sowie manuelle, fehleranfällige Übertragungsprozesse führen jeweils rund 41 Prozent der Befragten an.

Data Lineage rückt als Anforderung in den Vordergrund

Banken und Aufsichtsbehörden verlangen zunehmend Nachvollziehbarkeit bei der Herkunft und Verarbeitung risikorelevanter Daten – Stichwort Data Lineage. Erkennbar sein muss, woher relevante Daten stammen und wie sie bis zu ihrer Verwendung verarbeitet oder verändert wurden. In der Immobilienwirtschaft ist das Thema laut Umfrage bereits präsent: Knapp die Hälfte der Befragten kennt die steigenden Anforderungen und bereitet sich aktiv darauf vor. Weitere 30 Prozent sind damit vertraut, haben bislang jedoch noch keine Maßnahmen ergriffen.

Coalition-X und EU-Initiativen als strukturelle Antwort

Auf europäischer Ebene treibt die EU ein digitales Gebäudelogbuch samt einheitlicher Standards voran. Parallel erprobt Coalition-X eine vertrauenswürdige und maschinenlesbare Datensignierung zur Bestätigung der Echtheit von ESG-Gebäudedaten. Der ZIA hat die Schirmherrschaft für die Initiative übernommen; Apleona gehört zu den Pilotpartnern, die die Echtheitssignierung im laufenden Betrieb testen. Perspektivisch sollen die signierten Daten auch für automatisierte Prozesse und KI-Anwendungen nutzbar werden.

„Wir brauchen klare Definitionen und verlässliche Echtheitszertifikate zwischen den Beteiligten. Daten sollten dort erhoben und gesiegelt werden, wo sie entstehen, und anschließend derart gesichert weitergegeben und genutzt werden können. Genau hier setzt Coalition-X an. Gleichzeitig wird das Thema durch KI noch dringlicher: Die Potenziale KI-gestützter Prozesse lassen sich nur auf Basis qualitativ hochwertiger und verlässlicher Daten vollständig ausschöpfen. Umgekehrt kann KI aber auch dabei helfen, die Datenqualität selbst zu verbessern, etwa indem Fehler bereits bei der Erfassung erkannt und korrigiert werden.“
—Jochen Schenk, Vizepräsident des ZIA

Panel auf der EXPO REAL

Die Umfrageergebnisse werden am 6. Oktober im Rahmen des Panels „Erfolgsfaktor Gebäudedaten“ auf der EXPO REAL vorgestellt. Dr. Jochen Keysberg (Apleona Group), Jochen Schenk (ZIA), Jitka Steinmetz (Manova Partners) und Brigitte Bourscheidt (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) diskutieren von 13:15 bis 14:30 Uhr in Konferenzraum B11, wie die Immobilienwirtschaft steigende Datenanforderungen bewältigen kann und welche Rolle Digitalisierung, KI und Coalition-X dabei übernehmen. Die Moderation liegt bei Nikolaus von Raggamby

Mehr aus Unternehmen & Projekte